Treten Allergiesymptome und Kreislaufprobleme während oder unmittelbar nach sportlicher Betätigung auf, kann eine anstrengungsinduzierte Anaphylaxie vorliegen. / © Getty Images/RealPeopleGroup
Umgangssprachlich ist zwar manchmal von einer »Sportallergie« die Rede, wenn Menschen körperliche Anstrengung meiden. Medizinisch betrachtet kann es eine solche Reaktion jedoch tatsächlich geben: Die anstrengungsinduzierte Anaphylaxie (Exercise Induced Anaphylaxis, EIA) ist selten, kann aber schwere Symptome hervorrufen. Aktuellen Zahlen zufolge werden 2 bis 5 Prozent aller Anaphylaxie-Fälle weltweit dieser Form zugeordnet.
Typischerweise tritt die EIA während oder unmittelbar nach der sportlichen Betätigung auf. Die Beschwerden entwickeln sich meist innerhalb kurzer Zeit und werden daher dem Soforttyp (Typ-I-Allergie) zugeordnet. Die Reaktionen können leicht bis stark ausgeprägt sein und reichen von Juckreiz, Urtikaria, Hitzegefühl und Flush über Atemstörungen, Erbrechen und Blutdruckabfall bis hin zu Atemnot, Durchblutungsstörungen, Angioödem und Kreislaufzusammenbruch. Auch ein bereits bestehendes Asthma kann sich verschlechtern. Im Laufe der Zeit scheinen sich die Beschwerden bei vielen Betroffenen zu stabilisieren.
Die Diagnosestellung ist aufgrund der Komplexität schwierig und erfolgt in der Regel verzögert, meist im jungen Erwachsenenalter, wobei grundsätzlich jedes Alter und jedes Geschlecht betroffen sein kann. In einigen Fällen entsteht die EIA allein durch Bewegung – insbesondere nach moderater Anstrengung. Die genaue Pathophysiologie ist bei dieser Form der Sportallergie noch unklar, wobei wahrscheinlich eine Fehlaktivierung von Mastzellen oder bislang unbekannte Allergene an der Entstehung beteiligt sind.
Weitaus häufiger tritt sie jedoch nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel auf. Man nennt diese Form nahrungsmittelabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie (Food Dependent Exercise Induced Anaphylaxis, FDEIA). Um einen solchen Fall handelte es sich auch, als in den 1970er-Jahren die Sportallergie erstmals in den USA beschrieben wurde: Bei einem 31-jährigen Langstreckenläufer war es innerhalb von drei Jahren zu zehn allergischen Reaktionen während beziehungsweise nach seinen Läufen gekommen. Die Symptome reichten von leichten bis hin zu schweren Beschwerden. Im Blut des Sportlers fanden sich erhöhte Werte an Immunglobulin E (IgE) – ein Hinweis auf eine allergische Reaktion. Außerdem wurde ein interessanter Zusammenhang festgestellt: Symptome traten immer nur dann auf, wenn er vor seinen Läufen Meeresfrüchte verzehrt hatte. Die Nahrungsmittelallergene waren also grundlegend an der allergischen Reaktion beteiligt, die durch die Bewegung ausgelöst wurde.