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Anstrengungsinduzierte Anaphylaxie
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Eine Sportallergie, die es wirklich gibt

Körperliche Bewegung gilt als eines der wirksamsten Mittel zur Gesundheitsvorsorge. Unter bestimmten Umständen kann Sport jedoch eine lebensbedrohliche allergische Reaktion auslösen. Oft steht diese auch im Zusammenhang mit bestimmten Lebensmitteln.
AutorKontaktCarolin Kühnast
Datum 28.07.2026  07:00 Uhr

Umgangssprachlich ist zwar manchmal von einer »Sportallergie« die Rede, wenn Menschen körperliche Anstrengung meiden. Medizinisch betrachtet kann es eine solche Reaktion jedoch tatsächlich geben: Die anstrengungsinduzierte Anaphylaxie (Exercise Induced Anaphylaxis, EIA) ist selten, kann aber schwere Symptome hervorrufen. Aktuellen Zahlen zufolge werden 2 bis 5 Prozent aller Anaphylaxie-Fälle weltweit dieser Form zugeordnet.

Typischerweise tritt die EIA während oder unmittelbar nach der sportlichen Betätigung auf. Die Beschwerden entwickeln sich meist innerhalb kurzer Zeit und werden daher dem Soforttyp (Typ-I-Allergie) zugeordnet. Die Reaktionen können leicht bis stark ausgeprägt sein und reichen von Juckreiz, Urtikaria, Hitzegefühl und Flush über Atemstörungen, Erbrechen und Blutdruckabfall bis hin zu Atemnot, Durchblutungsstörungen, Angioödem und Kreislaufzusammenbruch. Auch ein bereits bestehendes Asthma kann sich verschlechtern. Im Laufe der Zeit scheinen sich die Beschwerden bei vielen Betroffenen zu stabilisieren.

Die Diagnosestellung ist aufgrund der Komplexität schwierig und erfolgt in der Regel verzögert, meist im jungen Erwachsenenalter, wobei grundsätzlich jedes Alter und jedes Geschlecht betroffen sein kann. In einigen Fällen entsteht die EIA allein durch Bewegung – insbesondere nach moderater Anstrengung. Die genaue Pathophysiologie ist bei dieser Form der Sportallergie noch unklar, wobei wahrscheinlich eine Fehlaktivierung von Mastzellen oder bislang unbekannte Allergene an der Entstehung beteiligt sind.

Weitaus häufiger tritt sie jedoch nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel auf. Man nennt diese Form nahrungsmittelabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie (Food Dependent Exercise Induced Anaphylaxis, FDEIA). Um einen solchen Fall handelte es sich auch, als in den 1970er-Jahren die Sportallergie erstmals in den USA beschrieben wurde: Bei einem 31-jährigen Langstreckenläufer war es innerhalb von drei Jahren zu zehn allergischen Reaktionen während beziehungsweise nach seinen Läufen gekommen. Die Symptome reichten von leichten bis hin zu schweren Beschwerden. Im Blut des Sportlers fanden sich erhöhte Werte an Immunglobulin E (IgE) – ein Hinweis auf eine allergische Reaktion. Außerdem wurde ein interessanter Zusammenhang festgestellt: Symptome traten immer nur dann auf, wenn er vor seinen Läufen Meeresfrüchte verzehrt hatte. Die Nahrungsmittelallergene waren also grundlegend an der allergischen Reaktion beteiligt, die durch die Bewegung ausgelöst wurde.

Häufigster Auslöser: Gluten

Charakteristisch für eine FDEIA ist, dass weder das betreffende Nahrungsmittel noch die körperliche Belastung allein Beschwerden verursachen müssen. Erst in Kombination können sie zur allergischen Reaktion führen. Neben Meeresfrüchten sind auch andere Lebensmittel potenzielle Auslöser, etwa Eier, Milch oder Soja.

Am häufigsten tritt die FDEIA in Kombination mit dem Verzehr von Weizen auf. Dabei spielt Omega-5-Gliadin, ein Bestandteil des Glutens im Weizen, eine zentrale Rolle bei der Entstehung. Die Antikörper, die der Körper gegen dieses Antigen bildet, können bei rund 80 Prozent der Betroffenen im Blut nachgewiesen werden und dienen als wichtiger diagnostischer Marker.

Grundsätzlich gehören zur Diagnostik einer Sportallergie immer ein Anamnesegespräch sowie Prick- und Bluttests. In einigen Fällen wird auch ein Provokationstest unter engmaschiger Kontrolle in einer Klinik durchgeführt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Beschwerden sehr stark ausgeprägt sind, aber die vorherigen Untersuchungen negativ ausfielen.

Erschwert wird die Diagnose durch verschiedene Cofaktoren, die zusätzlich an der Entstehung beteiligt sein können. Laut einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 erhöhen insbesondere nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen, Alkohol sowie die Bewegung selbst die gastrointestinale Permeabilität und können so zu einer gesteigerten Allergenaufnahme beitragen (»Current Allergy and Asthma Reports«, DOI: 10.1007/s11882-024-01176-4). Auch Infektionen, Hitze, die Trainingsintensität, Umwelteinflüsse und atopische Vorerkrankungen wie Asthma oder allergische Rhinitis spielen dabei eine Rolle. Fallberichte zeigten in der Vergangenheit zudem einen Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus: die Kombination aus Nahrungsmittel und Training löste in einzelnen Fällen ausschließlich während der Menstruation Symptome aus.

Management im Alltag

Grundsätzlich müssen Betroffene nicht auf Sport verzichten. Um die persönlichen Grenzen auszutesten, kann es helfen, mit niedriger Intensität zu starten und diese langsam zu steigern. Auch ein Wechsel der Sportart kann eine Möglichkeit sein. Bei einer FDEIA sollte man für mindestens vier bis sechs Stunden vor der Sporteinheit auf den Verzehr des potenziellen Auslösers verzichten, also etwa auf Meeresfrüchte. Außerdem sollten weitere Cofaktoren wie Schmerzmittel, Alkohol und Hitze berücksichtigt werden. Es ist empfehlenswert, nicht allein zu trainieren oder eine Smartwatch zu verwenden, die spezielle Notfalleinstellungen ermöglicht. Treten trotz aller Vorkehrungen Symptome auf, ist das Training sofort zu unterbrechen.

Während bei leichten allergischen Reaktionen orale Antihistaminika oder bei belastungsinduziertem Asthma kurzwirksame β2-Sympathomimetika helfen können, sollte bei erhöhtem Anaphylaxie-Risiko ein Notfallset mitgeführt werden. Es wird ärztlich verordnet und besteht in der Regel aus einer Glucocorticoid-Lösung, einem Antihistaminikum und einem Adrenalin-Autoinjektor.

Als Alternative zum Autoinjektor steht seit 2024 das Epinephrin-haltige Nasenspray Eurneffy® zur Verfügung, das auch zur Behandlung einer anstrengungsinduzierten Anaphylaxie zugelassen ist. Bei den ersten Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion wird ein Sprühstoß in ein Nasenloch gegeben. Bleibt die Wirkung aus oder verschlechtern sich die Symptome erneut, kann nach etwa zehn Minuten eine weitere Dosis in dasselbe Nasenloch appliziert werden. Betroffene sollten deshalb immer zwei Sprays mit sich führen. Der Wirkeintritt des Nasensprays ist mit der Anwendung eines Autoinjektors vergleichbar, die Handhabung gilt jedoch als deutlich einfacher. Es kann bei Erwachsenen und Kindern mit einem Mindestgewicht von 15 kg eingesetzt werden.

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