| Paulina Kamm |
| 08.07.2026 16:15 Uhr |
Professorin Martina Hahn bot Einblicke in ihren eigenen Karriereweg. Hahn rückte die Bedeutung weiblicher Netzwerke und Unterstützungssysteme für die Karriere von Frauen in der Pharmazie in den Vordergrund. Die klinische Pharmazie in Deutschland zu erlernen und dazu Forschung zu betreiben, sei eine Herausforderung für Hahn gewesen. Als Pharmazeutin verschiedenste Arbeitsbereiche auszuprobieren empfand sie hingegen als Chance.
Durch ein Netzwerk mit erfahrenen Pharmazeutinnen sah Hahn die Möglichkeit, klinische Pharmazie an der Universität Florida zu studieren. Später konnte sie eine Studie auf einer psychiatrischen Station in einem Krankenhaus für ihre Promotion zu nutzen. »Gefördert und zum Erfolg geführt wurde die Implementierung des ›Eichberger Modells‹ durch die weibliche Leitung eines psychiatrischen Krankenhauses«, heißt es in der Mitteilung. Als verletzend habe sie »den existierenden Sexismus« im Krankenhaus empfunden.
Hahns Fazit war, dass Frauen bis heute unterschätzt werden und statt echter Unterstützung meist mehr oder weniger gut gemeinte Ratschläge erhalten. Sie müssten immer noch härter und länger für ihre Karrieren arbeiten. Deshalb halte sie die Sichtbarmachung weiblicher Vorbilder und erfolgreicher Frauen für essenziell.
Weibliche Netzwerke seien hierfür notwendig, um Chancen zu entdecken und Erfolge zu erzielen.
Die niederländische Krankenhausapothekerin vom Lehrkrankenhaus Haga Ziekenhuis Loes E. Visser referierte über den Einbezug geschlechtsspezifischer Unterschiede in die klinische Pharmazie. »Während in Deutschland die klinische Pharmazie noch in den Kinderschuhen steckt, scheint in den Niederlanden diese Forschung fortgeschritten zu sein«, heißt es in der Mitteilung. Die Verbindlichkeit für geschlechtsspezifische Forschung resultiere aus der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.
Doch die Praxis und Realität liegen weit weg vom legislativen Raum: Frauen sind demnach in Phase 1 Studien weiterhin unterrepräsentiert und hinsichtlich Altarzneimitteln finde keine Überprüfung auf geschlechtsspezifische Unterschiede statt. Auch Leitlinien oder Packungsbeilagen werden trotz belegter Unterschiede in Nebenwirkungen und Effektivität bei Männern und Frauen nicht aktualisiert. Optimierungsbedarf bestehe zusätzlich bei Datenbanken, die bisher nicht auf Geschlechtsunterschiede bei der Medikamentenwirkung, Nebenwirkungen und Behandlungsergebnisse hinweisen.
Ein Ende fand das Treffen der Pharmazeutinnen aus fünf Europäischen Ländern mit einem Exkurs in die Kosmetikindustrie in Rumänien. Elena Cremenescu schilderte in ihrem Vortrag Einblicke in ihren Werdegang als Unternehmerin eines Kosmetik-Unternehmens. Das EWPM 2027 wird passend dazu in Rumänien, Bukarest, stattfinden.