| Alexandra Amanatidou |
| 22.06.2026 07:00 Uhr |
Radman hat das Buch nicht geschrieben, um Geld zu verdienen, sondern »damit die Menschen verstehen, was Immigranten begegnet«, sagt der Apotheker gegenüber der PZ am Telefon. Den Menschen in Deutschland sei es nicht bewusst, wie schwierig es ist anzukommen. »Es gibt viele Hürden, die man überwinden muss.« Mit seinem Buch will er eine Erfolgsgeschichte erzählen und damit gegen die negative Darstellung von Immigrantinnen und Immigranten in den deutschen Medien angehen. »Viele geben sich unglaublich viel Mühe und passen sich auch an. Das sind Millionen.«
Radmans Erfahrungen sind kein Einzelfall. Tatsächlich häufen sich Rassismus und Diskriminierungserfahrungen in Deutschland, wie Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) im März zeigten. Demnach haben mehr als 13 Prozent der Menschen in Deutschland angegeben, in den letzten zwölf Monaten Diskriminierung erfahren zu haben. Auch der Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt, dass die Zahl der Beratungsanfragen im vergangenen Jahr enorm gestiegen ist. Mit 43 Prozent waren Anfragen zu rassistischer Diskriminierung am häufigsten.
Der Apotheker sieht sich mit komischen Blicken und Misstrauen konfrontiert. »Man erkennt nicht direkt, dass ich ein integrierter Arbeitgeber bin. Ich werde wie ein Fremder behandelt«, sagt er. »Aber die Menschen, die mich in der Apotheke kennengelernt haben, schätzen mich, und ich schätze sie auch. Ich fühle mich wohl in Leipzig.« Radmann bewertet die Stadt als migrantenfreundlich und offen.
Auch in seiner Autobiografie wird deutlich, dass er sich hierzulande wohlfühlt. Für ihn ist Deutschland »ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten«. Zwar gab es während seiner Studienzeit Schwierigkeiten, besonders was die Sprache anging, doch mit der Hilfe vertrauter Personen hat er alles bewältigt und ist heute ein selbstständiger Apotheker.
»Nicht woher, sondern wohin«, ist im März dieses Jahres im Verlag Novum erschienen.