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Kongo

Ebola-Impfung scheint hochwirksam zu sein

Eine vorläufige Auswertung des Einsatzes der noch nicht zugelassenen Ebola-Vakzine rVSV-ZEBOV-GP im Kongo hat eine hohe Schutzwirkung des Impfstoffs gezeigt. In sogenannten Ringimpfungen wurden dabei Kontaktpersonen von Ebola-Erkrankten erfolgreich immunisiert.
Daniela Hüttemann
24.04.2019
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Bislang sind beim aktuellen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 1200 Menschen erkrankt. Und es hätten wohl noch mehr sein können, wäre nicht schon eine Woche nach der offiziellen Ausrufung des Ausbruchs am 1. August 2018 die noch nicht zugelassene Ebola-Vakzine rVSV-ZEBOV-GP zum Einsatz gekommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Nationale Forschungsinstitut der Demokratischen Republik Kongo haben nun vorläufige Ergebnisse der Impfkampagne veröffentlicht.

Demnach wurden im Beobachtungszeitraum vom 1. August 2018 bis 25. März 2019 insgesamt 951 bestätigte und wahrscheinliche Fälle von Ebola-Erkrankungen registriert. Bei 776 dieser Patienten ermittelten Gesundheitsmitarbeiter deren Kontaktpersonen, in sogenannten Ringen um die Patienten herum. Insgesamt wurden 100.754 Personen mit Erstkontakt zu den Erkrankten sowie Kontakte dieser Kontakte identifiziert, von diesen stimmten 91.492 der Impfung zu und erhielten sie auch. Das waren 90,8 Prozent der infrage kommenden Personen. Darüber hinaus erhielten 28.888 Ärzte und Helfer die Vakzine. Die Strategie der Ringimpfungen hatte die WHO einige Jahrzehnte zuvor auch zur Ausrottung der Pocken verfolgt.

Zur Beurteilung der Wirksamkeit der einmaligen Vakzinierung werteten die Forscher nun die Zahl der Erkrankungen innerhalb dieser Ringe aus. Im Schnitt bestand jeder Ring aus 104 Personen (Erst- und Zweitkontakte). Auswertbar waren die Daten von 93.965 geimpften Risikopersonen in 679 Ringen. Unter ihnen kam es zu 71 Ebola-Fällen. Dagegen erkrankten im selben Zeitraum laut WHO 880 ungeimpfte Risikopersonen. Damit liegt die Ebola-Rate bei 0,017 Prozent bei den Geimpften gegenüber 0,656 Prozent bei Ungeimpften. Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit von 97,5 Prozent. 

Überlebenschancen steigen

Bei 57 der zuvor geimpften Risikopersonen trat die Erkrankung innerhalb von zehn Tagen nach der Immunisierung auf; neun Patienten verstarben. Das ist der Zeitraum, von dem ausgegangen wird, dass der Impfschutz sich noch nicht voll entfaltet hat. 15 geimpfte Personen zeigten frühestens zehn Tage nach der Impfung erste Ebola-Symptome. Von ihnen überlebten alle.

Bei 54 der 71 Ebola-Fälle in der Impfgruppe handelte es sich um Hochrisiko-Kontakte. Nur zwei der 68.279 Zweitkontakte entwickelten eine Ebola-Erkrankung. Daraus leiten die Studienautoren ab, dass die Ringvakzinierung effektiv in der Vorbeugung von Fällen bei Drittkontakten ist.

Zwar handle es sich um die vorläufigen Daten einer Beobachtungsstudie, bei der das Risiko für Verzerrungen größer ist als bei einer randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie. Trotzdem geben die Daten Anlass zur Hoffnung, dass die Ringvakzinierung mit einer einzelnen Dosis rVSV-ZEBOV-GP eine wirksame Strategie zur Eindämmung von Ebola-Epidemien ist. Die WHO unterstreicht die hohe Schutzwirkung vor allem in Bezug auf die Mortalität. Selbst für bereits Infizierte erhöhe sich die Überlebenschance durch die Impfung. Dies sei auch vor dem Hintergrund wichtig, dass es immer noch keine spezifischen für Ebola zugelassenen Medikamente gibt.

Voraussetzung für den Erfolg dieser Impfstrategie sei die vornehmliche Übertragung eines Erregers von Mensch zu Mensch, die relativ lange Inkubationszeit von zwei Wochen und die Identifizierung von Erst- und Zweitkontakten erkrankter Personen. Ein solches Impfschema lasse sich schnell und effektiv einrichten. Beim Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo halfen dabei auch erfahrene Einsatzkräfte aus Guinea und Niger.

Die beteiligten Forscher arbeiten derzeit an einer detaillierteren Analyse, die in einem Fachjournal mit Peer-Review-Verfahren veröffentlicht werden soll. rVSV-ZEBOV-GP  enthält rekombinante vesikuläre Stomatitis-Viren (VSV), die das Glykoproteine (GP) des Ebola-Virus vom Zaire-Stamm (ZEBOV) exprimieren. Diese Vektoren können sich noch replizieren. Es handelt sich also um einen Lebendimpfstoff. Entwickelt wurde die Vakzine von Forschern des Nationalen Mikrobiologischen Labors in Winnipeg, Kanada. Deren Aufsichtsbehörde, die Public Health Agency of Canada, hat den Impfstoff der kleinen Firma NewLink lizenziert, die mittlerweile zum Pharmakonzern MSD gehört. MSD erhält finanzielle Unterstützung, um klinische Studien durchzuführen und eine Zulassung zu erreichen.

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