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Digitale Verordnungen

E-Rezept-App: BMG peilt keine Nutzungsquoten an

Bis Mitte des kommenden Jahres muss die Gematik die technische Infrastruktur für die flächendeckende Einführung des E-Rezeptes, also auch die zentrale E-Rezept-App, gebaut haben. Christian Klose, Digitalisierungsexperte aus dem Bundesgesundheitsministerium, erklärte am heutigen Donnerstag, dass man aber keine konkreten Erwartungen an die Nutzungsquoten des E-Rezeptes habe. Vielmehr stehe ein jahrelanger Digitalisierungsprozess an.
Benjamin Rohrer
15.10.2020  14:00 Uhr

Die Gematik wurde vom Gesetzgeber beauftragt, bis Mitte 2021 das System zur Nutzung des elektronischen Rezeptes zu etablieren. Ab Januar 2022 sollen Arzneimittel-Verordnungen dann nur noch digital abgewickelt werden. Der Königsweg dazu soll eine App werden, die die Gematik derzeit ebenso entwirft. Im Rahmen der Expopharm Impuls hatten die beiden Gematik-Experten Hannes Neumann und Sabine von Schlippenbach erste Einblicke in diese Anwendung gewährt.

Allerdings sieht das entsprechende Patientendatenschutzgesetz (PDSG) auch vor, dass Verordnungen weiterhin in Papierform ausgedruckt werden können. Konkret soll dann der Code auf ein Papierblatt gedruckt werden, mit dem der Patient den Apotheker den Zugriff auf sein digitales Rezept ermöglichen kann. Mit Blick auf diese Papierlösung stellt sich die Frage: Wie hoch wird der Anteil der Patienten sein, die zur Abwicklung ihrer E-Rezepte schon von Anfang an die App-Lösungen nutzen?

Klose: Viele Patienten werden die Papierlösung nutzen

Beim heutigen virtuell ausgerichteten Kongress des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA) ging es unter anderem um diese Frage. Christian Klose, Leiter der BMG-Unterabteilung »Gematik, Telematikinfrastruktur, E-Health«, stellte klar, dass man diese Frage derzeit nicht beantworten könne. Die Papierlösung werde weiterhin möglich sein, weil viele Patienten noch kein Smartphone nutzen, so Klose.

Lars Gottwald, Leiter der Business Teams bei der Gematik, bestätigte, dass auch die inzwischem mehrheitlich vom BMG kontrollierte Gematik, kein Indiz dafür habe, wie die Download-Zahlen der E-Rezept-App im kommenden Jahr ausfallen. Er fügte allerdings hinzu, dass man sich an der Corona-Warn-App orientiere, die bis zum heutigen Tag rund 19 Millionen Downloads verzeichnet. Man habe allerdings den Anspruch »besser zu sein« als die Corona-Warn-App.

Klose erklärte auch, dass die »reine E-Rezept-App der Gematik« nicht viel Nutzen für den Patienten haben werde. Der richtige Nutzen ergebe sich erst im Markt. Klose wies darauf hin, dass sich dort derzeit viele »große Verbünde« bilden, die selbst Produkte zur E-Rezept-Abwicklung anbieten. Klose und Gottwald erklärten beide, dass es eher um eine jahrelange Entwicklung gehe, bis die digitalen Produkte im Markt etabliert sind.

Im Rahmen der Expopharm Impuls hatte sich auch Gematik-Geschäftsführer Markus Leyck-Dieken zu dem Thema geäußert. Leyck-Dieken erklärte ebenfalls, dass er sich aus den Angeboten von Drittanbietern im App-Markt viel Mehrwert für die Patienten erhoffe. Hier das Video dazu:

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