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Drohen Verzögerungen bei der Produktion des Corona-Impfstoffes?

Unter dem Motto »Operation Warp-Speed« wird die Entwicklung von Impfstoffen zum Schutz vor einer Infektion oder einer Krankheit verursacht durch das neue Coronavirus vorangetrieben. Und tatsächlich rechnet die Welt zeitnah mit der Zulassung der ersten Impfstoffe. Aber wie schnell lassen sich diese produzieren. Auf mögliche Probleme weist aktuell der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Hessen hin.
Theo Dingermann
30.10.2020  12:30 Uhr

Einen Impfstoff gegen ein neues Virus zu entwickeln ist eine Sache. Diesen Impfstoff zu produzieren, ist eine andere. Dass gerade bei der Produktion der riesigen Anzahl von Impfdosen, auf die die ganze Welt wartet, Probleme auftauchen könnten, darauf verweist RA Georg Disson, Geschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) in Hessen.

Dies ist ein überraschender Weckruf, zumal bereits ausführlich berichtet wurde, dass die Frontrunner bei der Impfstoffentwicklung zum Schutz vor SARS-CoV-2 sehr wohl die Produktion der Impfstoffe im Blick haben. In Frankfurt-Höchst wurde vor wenigen Wochen bereits eine Insulin-Abfüllanlage umgerüstet, die Sanofi und GSK gemeinsam zur Produktion ihrer Impfstoffe nutzen wollen. Und das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech, das an vorderster Front die Corona-Impfstoffentwicklung vorantreibt, hatte erst im September in Marburg eine Produktionsstätte von Novartis erworben.

Auch Abfüllanlagen benötigen eine Zulassung

Ebenso wie für Impfstoffe fehlen derzeit wohl auch noch die Zulassungen zum Betrieb solcher Anlagen, gibt der VCI zu bedenken. Dies ist keine »Nebensache«. Denn unter anderem ist nach dem europäischen Genehmigungsrecht für Industrieanlagen die Öffentlichkeit in ein derartiges Zulassungsverfahren obligatorisch mit einzubinden. So müssen beispielsweise die Unterlagen einen Monat lang öffentlich ausgelegt werden, um Anwohnern, Bürgerinitiativen und Verbänden je nach Fall Zeit zu geben, eventuelle Einwände geltend zu machen.

Da es sich bei in beiden konkreten Fällen an den Standorten Höchst und Marburg um bestehende Anlagen handelt, die »nur« umzurüsten sind, gibt es aber wohl Entscheidungsspielräume. So kann die Genehmigungsbehörde von der Öffentlichkeitsbeteiligung absehen, wie Disson erläutert. Zuständig sei in beiden Fällen das Land Hessen.

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