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Vernachlässigte Erkrankungen

Biontech entwickelt mRNA-Impfstoff gegen Malaria

Seit Jahrzehnten wird nach einem zuverlässigen Impfstoff gegen Malaria gesucht – könnte die mRNA-Technologie den Durchbruch bringen? Zumindest will Biontech es versuchen. Bereits kommendes Jahr soll eine klinische Studie starten.
Daniela Hüttemann
26.07.2021  17:16 Uhr

Bislang hat es trotz zahlreicher Ansätze und jahrzehntelanger Forschung nur ein einziger Malaria-Impfstoff bis zur Zulassung geschafft: RTS,S (Mosquirix®). Er senkt zwar die Infektionsraten, allerdings schützt er bei Weitem nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion und muss in den ersten zwei Lebensjahren viermal verabreicht werden. In den Zulassungsstudien lag die Schutzwirkung zwischen 30 und 65 Prozent; bei den jüngsten Säuglingen war er überhaupt nicht effektiv. Zudem hält die Schutzwirkung wohl nur wenige Jahre an. Dabei zählt Malaria mit zuletzt rund 230 Millionen Krankheitsfällen pro Jahr zu den häufigsten und tödlichsten Erkrankungen.

Eine wirksamere Vakzine mit längerem Schutz wäre also äußerst wünschenswert. Heute gab das Mainzer Unternehmen Biontech bekannt, ein entsprechendes Impfstoffentwicklungsprojekt zu starten. Ziel sei ein »sicherer und hochwirksamer mRNA-Impfstoff mit länger anhaltender Immunität«, heißt es in der Pressemeldung. »Er soll die Krankheit verhindern, die Sterblichkeit reduzieren und eine nachhaltige Lösung für den afrikanischen Kontinent und andere von Malaria betroffene Regionen bieten«, sagte Biontech-Geschäftsführer und Mitbegründer Professor Dr. Ugur Sahin und versprach: »Unsere Bemühungen umfassen zukunftsweisende Forschung und Innovation, erhebliche Investitionen in die Impfstoffentwicklung, den Aufbau von Produktionsanlagen und den Transfer von Produktions-Knowhow an Produktionsstätten auf dem afrikanischen Kontinent und überall dort, wo er benötigt wird.«

Bei den Mainzern will man nun mehrere Impfstoffkandidaten auf mRNA-Basis entwickeln. Diese könnten bekannte Malaria-Zielstrukturen wie das Circumsporozoiten-Protein (CSP) nutzen, aber auch neue Antigene verwenden, die eigens in der präklinischen Forschungsphase identifiziert werden. Der in der Präklinik vielversprechendste Kandidat soll bereits Ende 2022 in die erste klinische Studie gehen. Das Projekt ist Teil der »eradicateMalaria«-Initiative der kENUP-Stiftung.

Bereits seit 2019 arbeitet Biontech mit der Bill and Melinda-Gates-Stiftung zusammen, um Impfstoffe gegen HIV und Tuberkulose zu entwickeln. Sein Tb-Impfstoffkandidat soll ebenfalls nächstes Jahr in einer klinischen Studie geprüft werden.

Darüber hinaus kündigte Biontech heute an, es wolle beim Aufbau »nachhaltiger Lösungen für die Impfstoffproduktion und -versorgung auf dem afrikanischen Kontinent« helfen. Es prüfe derzeit die Möglichkeiten, wie man zusammen mit Partnern oder eigenständig mRNA-Produktionsanlagen in afrikanischen Ländern bauen könnte. Diese sollen einmal verschiedene mRNA-basierte Impfstoffe produzieren können. Als Standorte kämen solche in unmittelbarer Nähe afrikanischer Technologie-Transferzentren infrage, deren Bau wiederum die Weltgesundheitsorganisation verantworte. Dies geschehe in Übereinstimmung mit der afrikanischen Produktionsstrategie, die von der Africa CDC entwickelt wurde.

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