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Songs von »Haftbefehl«
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Drogen-Slang im Deutsch-Rap ist vielfältig

Kokain, Cannabis, Alkohol – in der internationalen Pop- und Rap-Musik wimmelt es von Anspielungen auf Drogen. Forschende spürten nun aber auch in deutschen Rap-Songs pharmakologische und toxikologische Bezüge auf. Wie sich zeigte, ist die Slang-Vielfalt groß und prägt die deutsche Jugendkultur.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 24.09.2026  07:00 Uhr

Deutscher Rap zählt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen zehn und 29 Jahren zu den beliebtesten Musikgenres, wie eine Umfrage des Bundesverbands Musikindustrie aus dem vergangenen Jahr ergeben hatte.

Wie stark der Rapper »Haftbefehl« seine Texte mit Bezügen zu Substanzen aufgeladen hat, haben Forschende um Carina Spark von der Medizinischen Hochschule Hannover bei der Analyse von sieben seiner Studioalben mit insgesamt 121 Songs dargelegt. Jede explizite oder kontextuelle Erwähnung von Drogen ordneten sie dabei einer pharmakologischen Substanzklasse zu.

Es zeigt sich, dass Kokain die Texte dominiert. Es tauchte demnach in 82,6 Prozent der Songs auf, Cannabis in 52,9 Prozent, Alkohol in 38 Prozent. Dagegen spielten Verweise auf µ-Opioidrezeptor-Agonisten mit 9,1 Prozent und amphetaminartige Substanzen mit 7,4 Prozent kaum eine Rolle. Und Benzodiazepine fehlten komplett.

Die identifizierten Substanzen teilten die Forschenden anhand ihres primären pharmakologischen Wirkmechanismus ein: Die Hemmung der Monoamin-Wiederaufnahme in den synaptischen Spalt (Kokain), der partielle Agonismus von Cannabinoidrezeptoren (Cannabis), die allosterische Modulation von GABAA-Rezeptoren (Alkohol), die agonistische Wirkung an MOR-Rezeptoren (Opioide) und die monoaminerge Stimulation (ATS).

Crack, Haze und Whisky

Auffällig ist den Studienautorinnen und -autoren zufolge die sprachliche Vielfalt. Aykut Anhan alias »Haftbefehl« nutzt nämlich für Kokain 43 verschiedene Slang-Begriffe wie Rocks, Teufelsschuppen oder Bianco; für Cannabis sind es 33, darunter Böses Brötchen, Spliff, Zero-Zero oder Northern Light. Und für Alkohol gibt es 30 Varianten, etwa verkürzte Markennamen wie Grey Goose, Absolut Vanille oder Blue Label. Am häufigsten kamen jedoch die Ausdrücke Crack, Haze und Whisky vor. Diese Bandbreite zeigt, wie stilistisch flexibel der Künstler seine Szenesprache einsetzt. Viele Begriffe fungieren dabei als Marker für eine Gruppenzugehörigkeit oder verdichten seine Rap-Geschichten.

Auch die Alben selbst unterscheiden sich im Ton. »Das weiße Album« von 2020 enthält die meisten Hinweise auf Amphetamine, seinerzeit eine der größten Ursachen für drogenbedingte Todesfälle in Deutschland. Düster und trauriger als das vorherige Œuvre des Künstlers ist »Das schwarze Album« von 2021. Es kommt mit deutlich weniger Wörtern pro Liedtext aus, betont stärker Themen wie Depression, Hoffnungslosigkeit und Armut. Frühere Werke wie »Azzlack Stereotyp« von 2010 setzen dagegen auf Party- und Lifestyle-Motive. Die Unterschiede belegten also nicht nur die musikalische Entwicklung des Künstlers, sondern spiegeln auch wider, wie sich die Funktion der Substanzen im Laufe der Zeit veränderte.

Kultur trifft Konsum

Die Studie, die in der Fachzeitschrift »Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology« erschienen ist, weist außerdem darauf hin, wie sehr sich das kulturelle Umfeld der Rap-Musik mit Konsum und kommerziellen Interessen überschneidet. »Haftbefehl« bewirbt Eistee mit Cannabisgeschmack oder E-Zigaretten. Andere Rapper vermarkten Shisha-Tabak oder Nikotinprodukte auf ihren Social-Media-Plattformen, oft mit leuchtenden Farben und Comic-Motiven. Das schaffe mehr Aufmerksamkeit bei einer jungen Zielgruppe, heißt es in der Studie.

Nach Ansicht des Autorenteams kann sich die Rap-Sprache aber gut mit Gesundheitskommunikation verbinden lassen. Die Vielfalt der Slang-Begriffe könnte Fachkräften dabei helfen, Präventions- oder Suchtgespräche mit Jugendlichen zu führen – zum einen träfen sie so das sprachliche Jargon besser – und zum anderen böten die gerappten pharmakologischen Wirkmechanismen gute Ansätze für einen Gesprächseinstieg.

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