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BfArM-Warnung
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Drip-Spa-Infusionen bergen Gesundheitsrisiken

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt vor möglichen Gesundheitsrisiken der sogenannten Drip-Spa-Infusionen, gelegentlich auch Longevity-Infusionen genannt.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 12.05.2026  13:30 Uhr

An der Drip Bar werden Infusionslösungen mit hoch dosierten Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Substanzen intravenös verabreicht. Sie werden zum Beispiel mit der Stärkung des Immunsystems, der Verbesserung des Aussehens, der Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens sowie der Unterstützung der Leberfunktion beworben.

Mit der Anwendung von Infusionen seien auch immer Risiken verbunden, und Arzneimittel zur Infusion unterlägen hierzulande einem strengen behördlichen Zulassungsverfahren, betont das BfArM in einer Pressemitteilung. Nur wenn Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und die Qualität nachgewiesen und ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bestätigt werden, dürften sie in den Verkehr gebracht werden.

Dieser behördliche Nachweis ist bei Drip-Spas nicht erbracht, und diese Infusionslösungen seien in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen, so das BfArM. Das Bundesinstitut warnt, dass aufgrund der Zusammensetzung insbesondere bei vulnerablen Personengruppen das Risiko von Hypervitaminosen, Hyperhydration und Störungen im Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt besteht. Zusätzlich gebe es ein Risiko allergischer Reaktionen auf die nicht immer deklarierten verabreichten Substanzen, die in schweren Fällen auch zu einem anaphylaktischen Schock führen können. Wie bei allen Infusionen könne zudem eine unsachgemäße Handhabung der Drip-Infusionen zum Austritt der Infusionslösung ins Gewebe, zu Luftembolien und zu Kreislaufproblemen durch zu schnelle Flüssigkeitszufuhr führen.

Teure Wellness-Anwendung ohne Wirkungsnachweis

Bereits im Herbst 2024 hatte sich die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in einer Pressemitteilung sehr kritisch zu Drip Bars geäußert. »Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass gesunde Menschen, die nicht an einem Mangel leiden, durch solche Infusionen einen gesundheitlichen Vorteil erlangen«, so Professor Dr. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM. Für Gesunde seien die hoch dosierten Infusionen damit teure, aber wirkungslose Wellness-Anwendungen. Für Menschen mit Vorerkrankungen können sie laut DGIM sogar ernsthafte Gefahren darstellen.

Die DGIM rät dringend davon ab, sich ohne fundierte ärztliche Beratung und Überwachung Infusionen in solchen Einrichtungen verabreichen zu lassen. »Wer sich gesundheitlich schwach, abgeschlagen oder erschöpft fühlt, sollte die Hausärztin oder den Hausarzt konsultieren, um mögliche Ursachen abzuklären und bei Bedarf eine fachgerechte Behandlung zu erhalten«, empfiehlt Ertl.

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