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E-Rezepte

Doc Morris wittert Millionengeschäft

Doc Morris will stationären Apotheken nach der Einführung elektronischer Rezepte noch mehr vom Rx-Geschäft abjagen. Der Chef der Schweizer Doc Morris-Mutter Zur Rose wittert die Chance auf große Umsatzsprünge.
PZ
dpa
23.04.2019
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Während Patienten heute erst 1,3 Prozent aller verschreibungspflichtigen Medikamente in Versandapotheken bestellen, könnte der Anteil mit Einführung des E-Rezepts schnell auf 10 Prozent steigen, sagte der Chef der Zur-Rose-Gruppe, Walter Oberhänsli, der Deutschen Presse-Agentur. »Dann ist die Versandapotheke nur noch einen Klick entfernt.«

Der Jurist, der Apothekern mit niedrigen Preisen und Automaten für Medikamente den Kampf angesagt hat, will Dampf machen: »Wir werden uns dafür einsetzen, dass das E-Rezept schnell und flächendeckend umgesetzt wird, weil dann die Chance wächst, dass der Kunde bei uns kauft statt in einer stationären ApothekeOberhänsli rechnet damit, dass das notwendige Gesetz noch vor der Sommerpause verabschiedet wird. Im Idealfall könnten dann nach einem Jahr alle Ärzte elektronisch Rezepte ausstellen und alle Apotheken diese Rezepte auslesen, so der Zur-Rose-Chef.

Lukrativer Markt

Rezeptpflichtige Medikamente sind ein lukrativer Markt. Der Umsatz wächst unter anderem wegen der alternden Bevölkerung. Im Jahr 2017 betrug er in Deutschland nach Angaben der ABDABundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände gut 29 Milliarden Euro und damit 5 Prozent mehr als 2016. Doc Morris dringt darauf, dass das E-Rezept nicht auf dem Chip in der Gesundheitskarte gespeichert wird, sondern mobil zur Verfügung steht, damit es mit einem Klick an die Versandapotheke gehen kann. Bislang muss der Kunde das Papierrezept noch per Post einschicken. Bis zur Lieferung dauert es dadurch ein paar Tage.

Die Patienten sparen, weil Versandhändler mit Sitz im EU-Ausland im Gegensatz zu den deutschen Vor-Ort-Apotheken Rabatte auf verschreibungspflichtige Präparate gewähren dürfen. Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das ändern will, ärgert Oberhänsli. »Wenn Apotheker darauf bestehen, dass alle gleich lange Spieße haben, könnte man ja allen solche Boni gestatten, statt sie zu verbieten«, schlägt er vor. Er rechne auch ohne Preisvorteil damit, dass Kunden den Komfort einer Online-Bestellung schätzen.

Vorbild Schweden

In der Schweiz und in Schweden, wo es elektronische Rezepte bereits gibt, liege der Anteil des Online-Handels bei 10 Prozent. »Es spricht nichts dagegen, dass es in Deutschland auch in diese Richtung geht«, sagte Oberhänsli. In Schweden sei der Anteil innerhalb von vier Jahren erreicht worden. Zur Rose hat eine Technologie für E-Rezepte entwickelt, die gerade einen Test mit der Techniker Krankenkasse durchläuft. Ob sich dieser Standard durchsetze oder ein anderer, sei aber egal. »Ich möchte ja gar nicht auf meinem Grabstein stehen haben: Er hat Deutschland mit dem elektronischen Rezept beglückt«, betonte Oberhänsli.

Der Schweizer hält zudem an seiner Idee von Medikamentenautomaten trotz einer vorläufigen Niederlage vor Gericht fest. Die Automaten werfen Arzneien aus, nachdem der Kunde per Videochat einen Apotheker konsultiert hat. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hatte Anfang April das Verbot eines solchen Automaten in Hüffenhardt in Baden-Württemberg bestätigt. Oberhänsli erwägt Berufung. »Ich bin mir sicher, dass die Automaten kommen werden. Ich weiß nur nicht, wann. Sie erfüllen einen Bedarf in strukturschwachen Gegenden.«

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