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Diskussion

Digitale Projekte haben höchste Priorität

Von Impfen in der Apotheke über die Reform des Botendiensts bis hin zu E-Rezept und Apothekerausweis – die Podiumsteilnehmer diskutierten beim PZ-Managementkongress auf Mallorca über die Herausforderungen der Branche und die aktuelle politische Lage.
Christina Hohmann-Jeddi
Jennifer Evans
08.04.2019
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Derzeit sieht Fritz Becker, Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV), der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplanten Reform des Apothekenmarkts entspannt entgegen: »Kein Referentenentwurf ist letztlich Gesetz geworden.« Gingen die Vorstellungen des Ministers und die der Apothekerschaft dann zu stark auseinander, wolle man nicht nachverhandeln, sondern überzeugen, betonte Becker. Ziel sei es zu zeigen, wie die Gesellschaft von den Leistungen der Apotheker profitiert. »Wenn uns das nicht gelingt, haben wir versagt«, sagte Becker. Argumentieren will die ABDA dabei unter anderem mit Aspekten rund um die Arzneimitteltherapiesicherheit und Medikationsanalyse, wie ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hervorhob. Bestenfalls würden die Kassen dann allein erkennen, dass sie durch die Leistungen der Apotheker Geld sparen.

Mit Blick auf die geplante Ausweitung der pharmazeutischen Dienstleistungen setzt Schmidt auf die Akzeptanz der Apothekerschaft. Die nötigen Voraussetzungen dafür sollen nämlich alle Offizinen gleichermaßen bekommen. »Ich hoffe, es machen viele mit«, so Schmidt. Schließlich eröffne man damit eine zweite Vergütungs-Pipeline für Aufgaben, die nur von einem Apotheker übernommen werden können. Das Impfen wird dazu gehören, darin sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. Vermutlich könnte es schon im erwarteten Referentenentwurf enthalten sein. Am leichtesten wäre es, mit der Grippe-Impfung zu starten, meint Schmidt. Die Erfahrungen aus dem Ausland seien positiv. Zudem müsse die Politik grundsätzlich Maßnahmen gegen die Impfmüdigkeit der Deutschen ergreifen. Becker ist sicher, der Gesundheitsminister mache auch mit dem Wiederholungsrezept ernst. Was die neuen Aufgaben insgesamt betrifft, sind die Apotheker gut vorbereitet, hob Schmidt hervor. Da die Politik bislang nur ein begrenztes Budget vorsieht, müsse man sich eben zunächst auf einzelne Leistungen konzentrieren.

Projekt GERDA könnte die Blaupause sein

Auch das E-Rezept ist ein großes Zukunftsthema. Obwohl derzeit verschiedene Modellprojekte unterschiedlicher Initiatoren laufen, wird es letztlich nur eine Lösung geben, sagte ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold. Mit dem Projekt GERDA (Geschützter E-Rezept Dienst der Apotheken), das im Juni in Baden-Württemberg starten soll, habe man sich an die Spitze der Bewegung gestellt. Der Server sei eingerichtet, die Wege der Übermittlung und die Felder des Rezepts spezifiziert. »An diesem Projekt lernen wir viel«, sagte Arnold. Die ABDA hofft, dass das System als Blaupause für die bundesweite Einführung des E-Rezepts dienen kann. 2020 soll dies kommen, allerdings vermutlich mit einer langen Übergangsfrist.

Bei der Arbeit an den Heilberufsausweisen, die Apothekenmitarbeiter zum Anmelden an das sichere Netz der Telematik-Infrastruktur (TI) benötigen, befinde man sich im Zeitplan, sagte Schmidt. Die Ausweise berechtigen Apotheker, Grundleistungen auszuführen. Derzeit laufe das Ausschreibungsverfahren der Bundesapothekerkammer für entsprechende Dienstleister. Auch Becker betonte, dass die Entwicklung des Ausweises zusammen mit dem digitalen Medikationsplan »höchste Priorität« habe und an den Projekten mit entsprechendem Engagement gearbeitet werde.

Auf die anstehenden Änderungen zum Botendienst angesprochen, machte Schmidt klar, dass es ausdrücklicher Wunsch des Ministeriums sei, dass Präsenz-Apotheken Leistungen anbieten, die dem Versand Konkurrenz machen können. Die Regeln für den Botendienst zu öffnen, sei jedoch ein Drahtseilakt. Einerseits wolle man Patienten halten, die eine Lieferung einforderten, andererseits wolle man die Regeln auch nicht zu stark lockern. »Wir wollen auch zukünftig einen Unterschied zwischen Versorgung durch die Präsenz-Apotheke und durch die Post haben.« Die Offizin sollte auf keinen Fall zur Durchreichstation verkommen.

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