| Laura Rudolph |
| 03.03.2026 16:20 Uhr |
Digitale Gesundheitsanwendungen bei psychischen Erkrankungen basieren vorwiegend auf Verhaltenstherapie. / © Getty Images/vorDa
Seit Einführung der digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) im Jahr 2020 ist das Angebot an Apps und Onlinekursen stetig gewachsen. Mehr als 20 Anwendungen adressieren psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Phobien, Schlaf- und Essstörungen, ADHS sowie Abhängigkeitserkrankungen. Alle im DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelisteten Anwendungen sind geprüft und können von Ärzten und Psychotherapeuten verordnet werden.
Ob eine digitale Gesundheitsanwendung geeignet ist, hänge aber immer von der Art und Schwere der Erkrankung ab, betonte Dr. Lasse Sander vom Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Freiburg kürzlich gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Die Programme richteten sich vor allem an Menschen mit leichten bis mittelschweren Symptomen.
Studien zeigen laut Sander, dass DiGA Symptome ähnlich gut lindern können wie eine Psychotherapie – vorausgesetzt, die Betroffenen kommen mit digitalen Formaten gut zurecht. Insbesondere bei erhöhter Selbstgefährdung seien DiGA jedoch nicht als alleinige Behandlung geeignet, sondern eher als Ergänzung oder Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz. Der Psychotherapeut rät, DiGA grundsätzlich in ärztlicher oder therapeutischer Begleitung zu nutzen.
Doch welche verordnungfähigen Programme stehen zur Verfügung?
Bei Angststörungen und Phobien sowie bei Depressionen finden sich mit jeweils sieben DiGA für Erwachsene die meisten Anwendungen im Bereich psychischer Erkrankungen. Sie basieren überwiegend auf Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT).
Zu den DiGA bei Angst und Panik gehören:
Die sieben DiGA zur Anwendung bei Depressionen umfassen:
Es ist zu beachten, dass manche der Programme nur bei leichten bis mittelgradigen Depressionen beziehungsweise wiederkehrenden Schüben zugelassen sind. Andere sind dagegen auch für schwere Depressionen und Rezidive geeignet.
»HelloBetter Stress und Burnout« des Get.on Instituts für Online Gesundheitstrainings richtet sich an Erwachsene, die Belastungen im Berufs- und Lebensalltag besser bewältigen möchten. Der interaktive Kurs umfasst sieben wöchentliche Einheiten plus eine Auffrischungseinheit nach Kursende und kombiniert Psychoedukation mit KVT-basierten Methoden.
Die Borderline-Störung ist eine Persönlichkeitsstörung, die gekennzeichnet ist durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen, Stimmung, der Identität und zwischenmenschlichen Beziehungen. Digitale Unterstützung für Erwachsene bietet die Webanwendung »Priovi« des Unternehmens Gaia. Sie vermittelt Methoden und Übungen aus der KVT und setzt stark auf Elemente der sogenannten Schematherapie.
Bulimie ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, bei der es anfallsartig zu unkontrollierten Essanfällen kommt. Aus Angst vor einer Gewichtszunahme greifen Menschen mit einer Bulimie zu Gegenmitteln und führen etwa Erbrechen nach dem Essen herbei.
Die DiGA »Selfapys Online-Kurs bei Bulimia Nervosa« der Selfapy GmbH kann die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken oder – je nach Schweregrad – als alleinige Therapieoption dienen. Ein integriertes Warnsystem verweist Betroffene bei zu starken Symptomen oder kritischen Aussagen an geeignete Hilfsstellen.
Selfapy bietet auch den »Selfapys Online-Kurs bei Binge-Eating-Störung« an. Analog zur Bulimie leiden Betroffene unter regelmäßigen Essanfällen, versuchen jedoch nicht, eine Gewichtszunahme zu kompensieren. Der Kurs kann ebenfalls überbrückend oder eigenständig genutzt werden.
Bei Schlafstörungen stehen derzeit drei DiGA bereit: »HelloBetter Schlafen« von Get.on, »Somnio« der Mementor DE GmbH sowie »Somnovia« der Gaia AG. Alle Programme basieren auf Techniken der KVT und greifen Themen wie Schlafhygiene, Zubettgehzeit und Entspannungsverfahren auf.
Auf dem deutschen Markt gibt es drei DiGA mit Bezug zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Für Erwachsene steht die Webanwendung »Attexis – die digitale Therapie bei ADHS im Erwachsenenalter« der Gaia AG zur Verfügung. Die DiGA kann, muss aber nicht mit anderen Behandlungen wie Pharmako- oder Psychotherapie kombiniert werden.
Ebenfalls für Erwachsene konzipiert ist die App »Oriko ADHS-Therapie« der Mindnet e-Health Solutions GmbH, die vorläufig (aktuell bis zum 8. Juli 2026) ins DiGA-Verzeichnis des BfArM aufgenommen wurde. Sie kann etwa zur Überbrückung genutzt werden, bis man einen Therapieplatz erhält, oder begleitend zu einer Therapie.
Für Familien mit Kindern mit ADHS steht die App »hiToco: ADHS Elterntraining« der Medigital GmbH zur Verfügung, die zunächst bis zum 15. Juli ins DiGA-Verzeichnis aufgenommen wurde. Die App versteht sich als angeleitete Selbsthilfe, um den Alltag besser zu bewältigen, und vermittelt die psychoedukativen Inhalte unter anderem durch Sachartikel, Videos und interaktive Aufgaben.
Mit »Vorvida« der Firma Gaia steht eine Webanwendung für erwachsene Patienten mit schädlichem Alkoholkonsum oder Alkoholabhängigkeit zur Verfügung. Sie ergänzt die ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung und basiert überwiegend auf KVT-Techniken.
Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, kann aus zwei Smartphone-Apps wählen: »Smoke Free – Rauchen aufhören« der Smoke Free 23 GmbH und »NichtraucherHelden-App« der Sanero Medical GmbH. Beide bieten ein 90‑tägiges Entwöhnungsprogramm, das schädliche Verhaltensmuster sichtbar macht und konkrete Strategien zur Veränderung vermittelt. Anbieter weisen darauf hin, dass viele Menschen deutlich länger als drei Monate benötigen, um dauerhaft rauchfrei zu werden. Die DiGA können mehrfach verordnet werden.
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