| Paulina Kamm |
| 23.04.2026 17:00 Uhr |
Von links: Tilly Duderstadt (Nordring Apotheke), Andrea Galle (mkk), Moderatorin Cornelia Wanke (Healthcare Frauen), Professorin Sylvia Thun (BIH@Ch), Professorin Mandy Mangler (Vivantes, EHB, AEKB) und Stefanie Schuster (Astellas Pharma). / © PZ / Paulina Kamm
Frauen entlang ihrer Lebensphasen therapieren hält Tilly Duderstadt, Filialleiterin der Nordring Apotheke, für zukunftsorientiert. In ihrer Apotheke, die laut Duderstadt den optimalen Ort für eine niedrigschwellige und evidenzbasierte Beratung darstellt, findet sie Frauen jeden Alters. Am Mittwoch teilte sie sie in drei Gruppen ein.
Gruppe eins seien junge, zum Großteil gut informierte Frauen, die beispielsweise mit einer Zyklus-App in die Apotheke kommen, um eine Expertinnenmeinung zu Zyklusphasen und -schwankungen einzuholen, so Duderstadt. »Dann haben wir die zweite große Gruppe aus Schwangeren und Stillenden, die verunsichert sind, welche Arzneimittel sie einnehmen können«, sagte Duderstadt. Hier sei das Apothekenpersonal schnell in einem ethischen Dilemma zwischen Schutz von Mutter und Kind. Die dritte Patientinnengruppe wende sich häufig mit Wechseljahrsbeschwerden an die Apotheke.
Andrea Galle, Vorständin bei »meine krankenkasse« (mkk), erinnerte sich gemeinsam mit Professorin Sylvia Thun, Direktorin der Core-Unit eHealth und Interoperabilität (CEI) an der Charité, an die Anfänge der Frauengesundheitsbewegung zurück. »Da treffen sich die Hexen«, spottete die männliche Kollegschaft damals über Galles erstes Frauengesundheits-Meeting.
Seitdem habe sich einiges getan, so Thun. Sie habe zusätzlich Hoffnung, dass auch durch die Künstliche Intelligenz (KI) die Versorgungsrealität von Frauen eine bessere werde. »KI ist eine Riesenmöglichkeit, die Medizin gerechter zu machen, nicht nur für Männer und Frauen, sondern auch für Junge, Alte und Kinder, und vor allen Dingen für seltene Erkrankungen«, so Thun.
Gleichzeitig warnte Thun davor, dass frauenpolitische Errungenschaften nicht automatisch über mehrere Legislaturperioden andauern. »Wir haben wieder eine neue Politik, die vielleicht sogar gegenläufig ist. Wir müssen im Moment ganz schön aufpassen, dass es nicht demnächst eine Anti-Frauen-Politik gibt«, so Thun. Galle nannte die von der Bundesregierung geplante Kürzung des Kinderkrankengeldes als Beispiel. Eine »Allianz für Frauengesundheit«, die über Legislaturperioden bestünde, sei bereits in Planung, so Moderatorin Cornelia Wanke, Co-Gründerin von den Healthcare Frauen.
Netzwerken und politische Sichtbarkeit seien von immenser Wichtigkeit, war sich das Panel einig. »Wenn wir als Frauen diese Themen nicht vorantreiben, wird es kein anderer tun«, betonte Galle. Auch Stefanie Schuster von Astella Pharma erörterte, dass eine interdisziplinäre, nationale Gesamtstrategie der Weg zu mehr und besserer Frauengesundheit sei. Hier könne man sich auch ein Beispiel an den skandinavischen Ländern, dem Vereinigten Königreich oder Kanada nehmen, so Schuster.
Politik, Lehre, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft müssten zusammenarbeiten, doch Schuster mahnte: »Ein Umsetzungsplan mit Timelines, damit wir nicht in einem Jahr wieder da sitzen und sagen: ›Wo ist denn das Geld hin?‹ schafft mehr Verbindlichkeit«, so Schuster.
Denn, dass überhaupt Gelder für Frauengesundheit zur Verfügung gestellt werden, ist laut der Fachärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Mandy Mangler, ein historischer Moment und liegt an Frauen in Entscheidungspositionen: »Die einzige Erklärung, dass sie das richtig gut verstehen, ist, dass sie Frauen sind, weil ihre ganzen Vorgänger hätten die Chance gehabt, das auch zu machen«, so Professorin Mangler.