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Antiasiatische Aggressionen
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Covid-Rassismus – mehr Wut als Angst

Die Angst vor Ansteckung war nicht der Grund, warum in der Corona-Pandemie antiasiatische Angriffe stattfanden. Wer die Diskriminierung verstehen will, sollte begreifen, wie Wut entsteht und wirkt, rät eine Forscherin.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 10.06.2026  07:00 Uhr

Während der Covid-19-Pandemie haben aggressive Formen der Diskriminierung gegen Asiatinnen und Asiaten zugenommen. Man gab ihnen die Schuld am Ausbruch der Infektion. Viele Betroffene berichteten von offenen Feindseligkeiten, besonders in westlichen Ländern. Der Auslöser für das Verhalten war jedoch nicht die Angst vor Ansteckung, sondern vielmehr Wut, wie eine Studie im Fachjournal »Social Psychology« nahelegt.

In dem diskriminierenden Verhalten steckt ein Widerspruch. Angesichts der vermeintlichen Ansteckungsgefahr ließe sich eher die Meidung bestimmter Personengruppen erklären, nicht aber angriffslustige Reaktionen, so Dr. Amy Lim, Fachbereichsleiterin für Psychologie an der Murdoch Universität in Singapur. Denn konfrontative Auseinandersetzungen erhöhten schließlich das Infektionsrisiko, berichtet sie auf der Nachrichtenseite der Hochschule.

Lim erklärt die Motivation hinter der Feindseligkeit gegenüber Asiatinnen und Asiaten so: »Wenn eine Außengruppe als Bedrohung für die breitere Gemeinschaft wahrgenommen wird, kann Wut Menschen dazu motivieren, die wahrgenommene Bedrohungsquelle zu konfrontieren, zu bestrafen oder auszuschließen.«

Gefühlsstärke unterschiedlich

Da Wut je nach sozialem, kulturellem und politischem Kontext in ihrer Stärke variierte, geht die Wissenschaftlerin davon aus, dass auch gesellschaftliche Narrative eine Rolle bei der Diskriminierung spielten. Dazu zählt sie Medienberichte und politische Diskurse, die Menschen aus Fernost mit dem Virus in Verbindung brachten, sowie bereits bestehende Vorurteile und Stereotypen. Unter bestimmten sozialen und politischen Bedingungen kämen offenbar psychologische Prozesse stärker zum Tragen.

Hintergrund ist: Es ließen sich Unterschiede zwischen amerikanischen und australischen Kaukasiern feststellen – in Amerika war das Ausmaß der Wut doppelt so hoch wie in Australien. Die Auswirkungen von Wut sind demnach zwar universell, aber nicht in allen kaukasischen Bevölkerungsgruppen einheitlich. Lim stellt klar: »Es geht hier nicht darum, zu suggerieren, dass eine bestimmte Gruppe von Natur aus voreingenommener ist.«

Der Umgang mit Wut werde jedoch, so die Forscherin, künftig entscheidend sein, um Diskriminierungswellen während globaler Krisen zu verhindern. Wer Hass reduzieren wolle, sollte sich mit den Narrativen und Wahrnehmungen befassen, die Wut schüren, empfiehlt sie.

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