| Annette Rößler |
| 09.10.2026 18:00 Uhr |
Bei einer pharmakogenetischen Bestimmung werden die Gene der relevanten Enzyme auf häufige Varianten untersucht. Jedes Gen liegt in doppelter Ausführung vor (zwei Allele); die Varianten dieser Allele heißen Stern-Allele (*Allele). Jedem dieser *Allele ist eine Aktivität zugeordnet – die Summe der beiden *Allele ergibt dann die erwartete Aktivität des jeweiligen Enzyms.
Anhand von Tabellen lässt sich schließlich ablesen, welcher Phänotyp dieser Aktivität entspricht: normaler Metabolisierer (NM), intermediärer Metabolisierer (IM), langsamer Metabolisierer (poor metabolizer, PM), schneller Metabolisierer (rapid metabolizer, RM) oder ultraschneller Metabolisierer (UM). »Normal« ist in diesem Zusammenhang allerdings relativ, denn einer Untersuchung zufolge haben lediglich 20,7 Prozent der in Deutschland stationär behandelten psychiatrischen Patienten bezogen auf CYP2D6 und CYP2C19 den Status NM.
Die Empfehlungen der DPWG enthalten konkrete Angaben zu Dosisanpassungen von Antipsychotika abhängig vom Metabolisierer-Typ. Doch Vorsicht: Man sollte stets die Gesamtmedikation des Patienten berücksichtigen. Denn Interaktionspartner, die das entscheidende Enzym induzieren oder hemmen, können den Metabolisierer-Typ verändern. Dieses Phänomen wird Phänokonversion genannt.
Laut Scherf-Clavel sind vor allem die beiden CYP-Enzyme CYP2D6 und CYP2C19 anfällig für eine Phänokonversion. So reduzierten etwa starke CYP2D6-Inhibitoren die Aktivität dieses Enzyms so sehr, dass unter dem Strich jeder zum PM wird – unabhängig davon, ob man ursprünglich ein IM, NM oder sogar UM war. »Insgesamt ist die Phänokonversion zwar klinisch relevant und weit verbreitet, wird aber bisher in der klinischen Routine nur wenig beachtet«, konstatiert die Autorin.
Nicht nur die Begleitmedikation kann sich auf die psychopharmakologische Therapie auswirken, sondern beispielsweise auch der Tabakkonsum und weitere Erkrankungen des Patienten. Ein Therapeutisches Drug Monitoring (TDM), mit dem die Spiegel der Wirkstoffe tatsächlich gemessen statt »nur« vorhergesagt werden, sei daher keine Alternative, sondern eine sinnvolle Ergänzung der PGx, so Scherf-Clavel. Beide sollten Hand in Hand gehen, um alle Facetten der Präzisionsmedizin abzudecken.