| Juliane Brüggen |
| 03.08.2026 16:20 Uhr |
Die Autorinnen und Autoren der Liste weisen darauf hin, dass wegen fehlender Evidenz keine konkreten Hinweise zur Dosisanpassung in Hitzeperioden gegeben werden können. »Stattdessen dient die Calor-Liste zunächst vor allem dazu, Medikamentengruppen zu benennen, die das Risiko für hitzebedingte Gesundheitsschäden sowie unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Hitze erhöhen«, heißt es.
Sie unterstütze das Fachpersonal dabei, Patienten, die entsprechende Medikamente einnehmen oder anwenden, vor und während des Sommers zum richtigen Verhalten bei Hitze aufzuklären und gegebenenfalls ein intensiveres Monitoring von Vitalparametern, Medikamentenspiegeln oder anderen Blutwerten anzustoßen.
Zu beachten sei jedoch, dass immer der behandelnde Arzt für die Verordnung der Medikation verantwortlich ist.
Quelle: Calor-Liste
Die Calor-Liste ist im Rahmen des Forschungsprojekts ADAPT-HEAT entstanden – unter Leitung von Beate Müller vom Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln und der Uniklinik Köln sowie gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover und zahlreichen weiteren Institutionen. Ziel war es, evidenzbasierte, konsentierte und sektorenübergreifend anwendbare Strategien zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei Hitze zu entwickeln.
Die Entwicklung lief in mehreren Schritten: Am Anfang stand die Evidenzsynthese mittels strukturierter wissenschaftlicher Übersichtsarbeit und internationaler Best-Practice-Analyse. Diese wurde ergänzt durch den Abgleich von Routinedaten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Es folgte eine Delphi-Befragung mit über 30 Expertinnen und Experten, im Rahmen derer insgesamt 27 Wirkstoffklassen und 71 Strategien identifiziert wurden. Schließlich testeten ausgewählte Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser die Liste in der Praxis.
An dem Gemeinschaftsprojekt waren neben dem Institut für Allgemeinmedizin die PMV-Forschungsgruppe der Medizinischen Fakultät und der Uniklinik Köln, die Institute für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin sowie für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Hochschule Hannover und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe beteiligt.
Begleitet wurde es von einem Beirat, dem Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitsamt der Stadt Köln, dem Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn, den Apothekerkammern Nordrhein und Niedersachsen, der Apotheke der Uniklinik Köln und der Vertretung der Patientinnen und Patienten der Deutschen Diabetes Hilfe angehörten. Das Projekt wird vom Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefördert.