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Klimawandel als Gesundheitsgefahr

Die besondere Verantwortung der Heilberufe

Die Menschheit muss nicht das Klima retten, sondern sich selbst. Denn der Klimawandel ist weltweit eine ernste Bedrohung für die Gesundheit. Das machten am Montag mehrere Redner beim Internistenkongress deutlich.
Christina Hohmann-Jeddi
20.04.2021  07:00 Uhr

»Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde«, sagte der Arzt und Medizinjournalist Dr. Eckart von Hirschhausen beim 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, der in diesem Jahr online stattfindet. Der Klimawandel sei das größte Problem, mit dem die Menschheit derzeit konfrontiert sei. »Das Ausmaß, in dem unsere Gesundheit bedroht ist, hatte ich selbst nicht auf dem Schirm«, sagte von Hirschhausen. Zu lange sei der Klimawandel als abstraktes, physikalisches Problem gesehen worden. Dabei müsse aber die Auswirkung auf jeden Einzelnen betrachtet werden. Es sei enorm wichtig, die im Gesundheitswesen Tätigen mit ins Boot zu holen und fachlich über die Zusammenhänge und die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit aufzuklären.

Jeder Einzelne könne seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, doch »die großen Hebel sind politisch«, sagte der Mediziner. Er mahnte die Politik zu Tempo. Deutschland habe »seine Hausaufgaben nicht gemacht.« So gebe es beispielsweise keine Hitzepläne für Städte. Und auch in der Energiepolitik, die der Schlüssel für saubere Luft sei, gebe es noch einiges Potenzial. Derzeit seien das Gesundheitswesen und die Gesellschaft stark durch die Coronavirus-Pandemie belastet. »Die große Krise, von der Corona nur ein Teil ist, kommt erst noch«, mahnte er.

Gesundheitsfolgen bereits erkennbar

Professor Dr. Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts in Berlin, betonte, dass Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit auch in Deutschland bereits erkennbar seien. So nähmen etwa Folgen von Hitzestress, Probleme mit der psychosozialen Gesundheit und Hautkrebserkrankungen zu. Auch indirekte Folgen des Klimawandels seien bereits zu beobachten, etwa die Zunahme von Pollenallergien und vektorübertragenen Infektionskrankheiten. Außerdem könnten die Lebensmittel- und Trinkwasserversorgung in Gefahr geraten und die Badewasserqualität leiden.

Jeder Einzelne könne seinen Lebensstil mit Blick auf Reisetätigkeit und Konsumverhalten überdenken, mahnte Wieler. Auch die Probleme in der Tierhaltung und dem Tierhandel, vor allem dem illegalen, sollten in den Griff bekommen werden. Von Hirschhausen betonte, dass das SARS-Coronavirus-2 nicht vom Himmel gefallen sei, sondern die Pandemie eine Konsequenz menschlichen Verhaltens sei. Zu solchen zoonotischen Erkrankungen könne es kommen, wenn der Mensch soweit in die Lebenswelten der Wildtiere vordringe, dass diese keine Rückzugsorte mehr hätten.

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