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Genetische Erkrankungen

Diagnostik durch Genomsequenzierung

Auch jenseits der Diagnostik von genetischen Erkrankungen erobert die Genomsequenzierungen immer mehr Indikationsfelder. Eine Idee, die geradezu revolutionär ist und deshalb auch sehr kontrovers aufgenommen wurde, präsentierten am 2. Mai Professor Dr. Hans Lehrach vom Max-Planck-Institut für Molekulargenetik und Gründer der Firma Alacris Theranostics GmbH und der berühmte Vordenker bei der Anwendung molekulargenetischer Verfahren, der Harvard- und MIT-Professor Dr. George Church.

Diese beiden wissenschaftlichen Schwergewichte schlagen ein Verfahren zur Unterbrechung der SARS-CoV-2-Pandemie auf Basis moderner Next-Generation-Sequencing-Verfahren in Kombination mit intelligenten Kontaktverfolgungsansätzen vor. Die Strategie baut darauf auf, die leistungsstarken Sequenzierungstechnologien zu nutzen, die diese Art von Analysen zu immer geringeren Kosten ermöglichen. Sie schlagen vor »die enorme Sequenzierungskapazität einzusetzen, um essenziell alle infizierten Personen in einem Land, einem Kontinent oder der Welt zu identifizieren (und unter Quarantäne zu stellen), indem wir Millionen (möglicherweise Milliarden) Proben parallel verarbeiten und analysiern (und dabei sicherstellen, dass das Resultat jedes einzelnen Tests eindeutig der getesteten Person zugeordnet werden kann)«, so die Autoren. Jedem Proberöhrchen wird eine eindeutige DNA-Sequenz zugeordnet, mit deren Hilfe die Probe identifiziert werden kann. Dann werden die Proben gepoolt und analysiert.

Lehrach und Church erwarten, dass eine solche Gesamtanalyse zu einem Preis von wenigen Euro pro Test (hauptsächlich Logistikkosten) durchgeführt werden kann, ein trivialer Betrag angesichts des enormen wirtschaftlichen Verlusts, der sich bereits jetzt aufgrund der Notwendigkeit sozialer Distanzierung angesammelt hat, so ihre Argumentation. Der Test selbst sollte, aufgrund der Leistungsfähigkeit moderner Sequenziersysteme, zu Kosten von ungefähr 1 Cent pro Test durchführbar sein.

Tatsächlich scheint diese Vision dann doch ein wenig zu progressiv zu sein. Denn im Nachgang zu der breiten Ankündigung auch in vielen Laienmedien hat man kaum noch Neues davon gehört.

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