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Den Erfolg weiter verteidigen

Die Reproduktionszahl R wird laut RKI derzeit auf 1 geschätzt - ein Infizierter steckt damit im Mittel einen weiteren Menschen an. Dabei gibt es allerdings große regionale Unterschiede. Wieler betonte angesichts der Debatten um die Reproduktionszahl, es werde nie so sein, dass ein Faktor allein dazu führe, dass man völlig andere Maßnahmen durchführe. R sei gewiss ein wichtiger Faktor, man wolle ihn unter 1 halten. Je niedriger der Wert, desto sicherer könne man sich fühlen. Weitere zu berücksichtigende Kennzahlen seien aber auch die täglich gemeldeten Neuinfektionen, die Kapazitäten im Gesundheitssystem und die Testkapazitäten.

Dem RKI wurden Wieler zufolge in der vergangenen Woche rund 2000 erfasste Neuinfektionen pro Tag übermittelt, deutlich weniger als in den Vorwochen. Seit Wochenbeginn lägen die täglichen Neuinfektionen bei rund 1000 pro Tag, hier sei jedoch ein Meldeverzug durch das Wochenende zu berücksichtigen. Diese niedrigen Werte seien noch nicht in die Ermittlung des R-Werts mit eingeflossen, die grundsätzlich die letzten drei Tage nicht miteinbezieht. Wieler ging auch auf das Nowcasting ein, ein Schätzverfahren, mit dem neben dem R-Wert auch andere Werte wie die Inkubationszeit und die Generationszeit berechnet werden können. »Meldezahlen sind wichtig, haben aber bestimmte Caveats«, sagte Wieler. Das Nowcasting sei eine Schätzmethode, um die Realität besser abzubilden, die Meldezahlen allein nicht beschrieben werden kann. Die Methode wurde Anfang April für das Coronavirus-Ausbruchsgeschehen eingeführt und ist im »Epidemiologischen Bulletin« beschrieben. 

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