| Annette Rößler |
| 17.04.2026 13:00 Uhr |
Die Gruppe um Ammar nennt drei mögliche Mechanismen, die hinter diesem Zusammenhang stecken könnten: genetische Faktoren, eine Dysregulation des Immunsystems und oxidativer Stress. Alle drei könnten sowohl chronische, lebensverkürzende Erkrankungen verursachen als auch die Samenqualität senken. So hätten frühere Studien gezeigt, dass bei Männern mit niedriger TSC ein erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankung (KHK), Krebs, Diabetes sowie unter anderem Bluthochdruck besteht.
Eine Samenanalyse in jungen Jahren könne daher ein erhöhtes Risiko für solche Erkrankungen anzeigen, bevor diese sich manifestieren. Es sei denkbar, die Samenanalyse als eine Art Screeningmethode für die männliche Gesundheit zu nutzen. In diesem Fall müsse sie für diesen neuen Kontext allerdings standardisiert werden.
In einem Artikel auf der Nachrichtenseite »STAT« kommen weitere Experten zu Wort – manche als Befürworter, manche als Gegner dieser Herangehensweise. Für Männer gebe es keine Entsprechung der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen, weshalb junge Männer viel seltener einen Arzt sähen als junge Frauen – eine Samenanalyse könne daher als eine Art gesundheitliches Frühwarnsystem genutzt werden, lautet ein Pro-Argument.
Es sei allerdings noch völlig unklar, worin genau der Mehrwert für den einzelnen Mann bestehen könnte, so die Kontra-Seite. Generell sei es überaus schwierig, einen konkreten Nutzen für eine Screeningmethode nachzuweisen. Das gelte in diesem Fall, in dem noch so vieles ungeklärt sei, erst recht.