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Altern auf Zellebene
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Das Blutproteom sagt Krankheit und Mortalität vorher

Unser Organismus altert nicht synchron. Organbasierte Alterungsuhren haben bereits gezeigt, dass verschiedene Organe unterschiedlich schnell altern. Allerdings fehlte bislang ein skalierbarer Ansatz zur Untersuchung von Alterungsprozessen auf zellulärer Ebene beim Menschen. Diese Lücke schließt nun eine neue Studie von Forschenden der Stanford University.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 18.06.2026  15:00 Uhr

Zelluläre Alterung korreliert mit klinischen Risiken

Ganz offensichtlich besitzen verschiedene Zelltypen unterschiedliche zeitliche Fenster biologischer Anfälligkeit. Besonders relevant ist dieses asynchrone Alterungsverhalten im klinischen Zusammenhang. Die zellulären Altersprofile korrelierten offensichtlich sowohl mit bestehenden Erkrankungen als auch mit Krankheitsrisiken, also mit Ereignissen, die in der Zukunft liegen.

Bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS) zeigte sich die stärkste Assoziation mit der zellulären Alterung von Skelettmuskelzellen. Personen mit extrem gealterten Myozyten hatten ein 12,7-fach höheres Risiko, innerhalb von 15 Jahren an ALS zu erkranken, als Personen mit biologisch eher jungen Muskelzellen. Tatsächlich lässt sich dieser Zusammenhang bereits Jahre vor der klinischen Diagnosestellung nachweisen, sodass die Forschenden plausibel schließen, dass Zellalterung auf präklinische Krankheitsprozesse hinweisen kann.

Für die Alzheimer-Krankheit identifizierten die Forschenden Astrozyten als einen zentralen Risikofaktor. Extreme Astrozytenalterung war mit einem 12,6-fach erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden. Gleichzeitig zeigte sich eine enge Wechselwirkung mit dem APOE-Genotyp. Träger des bekannten Risikoallels APOE4 wiesen im Durchschnitt biologisch ältere Astrozyten, jedoch jüngere Makrophagen auf, während sich bei APOE2-Trägern das umgekehrte Muster fand.

Besonders eindrucksvoll war die Beobachtung, dass homozygote APOE4-Träger mit extrem gealterten Astrozyten innerhalb von 15 Jahren eine Alzheimer-Inzidenz von 38,3 Prozent erreichten. APOE4-Träger mit biologisch jungen Astrozyten entwickelten dagegen praktisch keine Alzheimer-Erkrankung. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis darauf, dass astrozytäre Alterungsprozesse eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung genetischer Risikofaktoren in manifeste Neurodegeneration spielen könnten.

Aber nicht nur bei neurodegenerativen Erkrankungen erwiesen sich die zellulären Altersuhren als hochgradig prognostisch. Beispielsweise lässt sich aus der Alterung respiratorischer Epithelzellen und alveolärer Typ-II-Zellen das Risiko für Lungenkrebs und COPD voraussagen. Unter Rauchern erhöhte extreme Alterung dieser Zelltypen das Lungenkrebsrisiko zusätzlich um 58 Prozent.

Für Typ-2-Diabetes erwies sich die Alterung myeloischer Zelllinien als stärkster Prädiktor, während bei Herzinsuffizienz Muskel- und Fibroblastenalterung besonders aussagekräftig waren. Für Schlaganfälle wiederum zeigten neuronale Alterungssignaturen die höchste prognostische Relevanz.

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