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Metformin neu erklärt
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Darm statt Leber als zentraler Wirkort 

Eine aktuelle Arbeit aus »Nature Metabolism« liefert eine grundlegende Neubewertung des Wirkmechanismus von Metformin und verlagert den Fokus weg von der Leber hin zum Darmepithel. Demnach beruht die antidiabetische Wirkung des Biguanids im Wesentlichen auf einer Hemmung des mitochondrialen Komplexes I in intestinalen Epithelzellen. Dadurch wird der Darm metabolisch in eine Art »Glucosesenke« umprogrammiert, die vermehrt Glucose aufnimmt und glykolytisch zu Laktat metabolisiert.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 12.05.2026  11:00 Uhr

Implikationen über Metformin hinaus

Die Ergebnisse haben auch Implikationen über Metformin hinaus. Sowohl Phenformin als auch Berberin, ein pflanzlicher Naturstoff mit antidiabetischer Wirkung, zeigen denselben Mechanismus. Beide Substanzen verbesserten die Glucose-Toleranz nur dann, wenn der mitochondriale Komplex I im Darmepithel pharmakologisch hemmbar blieb.

Insbesondere Berberin erwies sich als hochpotenter intestinaler Komplex-I-Inhibitor mit vermutlich darmselektiver Wirkung aufgrund seiner schlechten systemischen Resorption. Damit identifiziert die Studie die intestinale Komplex-I-Hemmung als gemeinsamen therapeutischen Nenner verschiedener antidiabetischer Wirkstoffe.

Darüber hinaus diskutieren die Autoren potenzielle klinische Konsequenzen der beobachteten Citrullin-Depletion. Da Citrullin ein wichtiger Vorläufer der Stickstoffmonoxid-Synthese ist und eine Rolle bei Muskelperfusion sowie Trainingsadaptation spielt, könnte die durch Metformin induzierte Absenkung der Citrullinspiegel erklären, weshalb das Medikament in mehreren Studien trainingsinduzierte Anpassungen abschwächt. Die Autoren schlagen daher vor, Citrullin-Supplementierung als mögliche Strategie zur Reduktion solcher Nebenwirkungen zu prüfen.

Insgesamt liefert die Arbeit ein konsistentes mechanistisches Modell, das zahlreiche bislang fragmentierte Beobachtungen, von der erhöhten intestinalen FDG-Aufnahme über Lactatanstieg bis hin zur verbesserten postprandialen Glucosekontrolle, in einem gemeinsamen biologischen Konzept vereint.

Die Studie dürfte die Diskussion um den primären Wirkort von Metformin neu entfachen und könnte langfristig die Entwicklung darmselektiver mitochondrialer Therapeutika zur Behandlung metabolischer Erkrankungen beeinflussen.

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