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Spätfolgen

Covid-19 überstanden – und dann?

Rund 20 Prozent der Corona-Infektionen verlaufen laut WHO so schwer, dass die Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Je nach Krankheitsverlauf unterscheidet sich die Behandlung. Manche Patienten brauchen wegen Atemnot zwar Sauerstoff, können aber auf einer Normalstation behandelt werden. «Diese Patienten weisen in etwa einen gleichen Verlauf auf wie die Patienten mit mildem Verlauf», erklärt Intensivmediziner Kochanek. «Sie brauchen mitunter lediglich etwas länger bei der Genesung.»

Andere Patienten erkranken etwas schwerer und brauchen noch etwas mehr Sauerstoff, etwa über einen kleinen Plastikschlauch unter der Nase. Diese Betroffenen bräuchten im Vergleich zu einem milden Verlauf deutlich länger, etwa drei bis vier Wochen, um wieder richtig fit zu sein, sagt Kochanek. «Nachdem diese Patienten das Krankenhaus verlassen haben, haben sie uns erzählt, dass sie sich noch eine ganze Zeit lang schlapp und müde und nicht so leistungsfähig gefühlt haben.»

Intensivpatienten bauen Atemmuskulatur ab

Ist die Lungenfunktion von Covid-19-Patienten so stark eingeschränkt, dass eine solche Versorgung mit Sauerstoff bei zunehmender Atemnot nicht mehr ausreicht, werden sie auf die Intensivstation verlegt und bekommen in ein künstliches Koma versetzt eine Beatmung über einen Schlauch in der Luftröhre. Eine solche Intubation birgt Risiken. So ist das Aufheben der Beatmung ein schwieriger Prozess – je länger sie dauerte, desto stärker sind neben anderen auch die zum Atmen benötigten Muskeln abgebaut. Gerade bei Älteren ist es schwierig, sie wieder bis zum Zustand zuvor aufzubauen.

Auch reagiert die Lunge empfindlich auf Überdruck und auch auf den Sauerstoff, der der Beatmungsluft zugesetzt wird. Lungengewebe kann irreparabel geschädigt werden. Auch in anderen Organen kann eine künstliche Beatmung zu Schäden führen. Über die Schläuche kann zudem zusätzlich zur Viruserkrankung eine bakterielle Infektion in der Lunge entstehen. Bei fast allen Covid-19-Patienten am Kölner Universitätsklinikum sei eine solche zweite oder gar dritte von Bakterien ausgelöste Lungenentzündung festzustellen, berichtet Kochanek. Über Langzeitfolgen etwa solcher Lungenentzündungen lassen sich Experten zufolge noch keine gesicherten Aussagen machen.

Bei heftigeren Verläufen, etwa mit schwerem Lungenversagen und langer Beatmungsdauer, seien durchaus Restsymptome wie ein vermindertes Lungenvolumen zu erwarten, sagt der Mediziner Professor Dr. Sven Gläser, Chefarzt für Pneumologie und Infektiologie am Vivantes-Klinikum Neukölln. Es sei ein Muster zu erkennen, sagt Kochanek: Schwer erkrankte Covid-19-Patienten bräuchten im Vergleich zu Patienten mit anderen Formen der Lungenentzündung sehr viel länger für ihre Genesung. Eine seiner ersten Patientinnen, 80 Jahre alt, wurde erst vor Kurzem in eine Rehaklinik entlassen. Sie war etwa drei Wochen nach Karneval in die Klinik gekommen, also Mitte März.

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