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Experten warnen

Corona-Infektion auch nach zwei Impfungen möglich

Zwei jetzt publizierte Studien erinnern daran, dass auch Geimpfte sich nicht zu sicher vor einer SARS-CoV-2-Infektion fühlen sollten. Zwar passiert es bislang selten. Die Daten zeigen jedoch, dass man auch nach einer Impfung nicht leichtfertig auf Schutzmaßnahmen wie die AHA-Regeln verzichten sollte.
Theo Dingermann
26.03.2021  10:54 Uhr

Nur wenige Menschen erkranken trotz einer kompletten Grundimmunisierung an Covid-19. Denn keiner der zugelassenen Corona-Impfstoffe schützt zu 100 Prozent vor der Krankheit. Um die Frage nach einer Infektion trotz vollständiger Grundimmunisierung auf eine empirische Basis zu stellen, befassten sich zwei Forschergruppen mit dem Problem. Sie werteten die Infektionsraten in großen Studienkollektiven in Israel und in den USA aus und publizierten jetzt ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des »New England Journal of Medicine« (NEJM).

Die erste Studie mit dem Titel »BNT162b2 mRNA Covid-19 Impfeffektivität bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens« wurde von Shmuel Benenson und Kollegen von der Hadassah Hebrew University in Jerusalem durchgeführt. In die Studie eingeschlossen waren Klinikangestellte an der Hadassah Hebrew University Medical Center (HHUMC) in Jerusalem. Dieses Zentrum beschäftigt 6680 Mitarbeiter und unterhält acht spezielle Covid-19-Stationen. Seit Beginn der Epidemie hatten sich dort 689 (10,3 Prozent) Personen mit SARS-CoV-2 infiziert.

Die Impfung der Mitarbeiter mit Comirnaty® (BNT162b2) hatte am 20. Dezember 2020 begonnen. Innerhalb von acht Wochen wurden 5297 von 6252 (84,7 Prozent) der Klinikangestellten geimpft, die sich bis dahin noch nicht infiziert hatten. Die meisten dieser Mitarbeiter (98,9 Prozent) erhielten auch die zweite Dosis. In der Folge nahm die Infektionshäufigkeit dramatisch ab und blieb dann nach der vierten Woche niedrig. Nur vereinzelt traten Infektionen bei geimpften Mitarbeitern auf. Konkrete Zahlen zeigen die Wissenschaftler allerdings nicht.

Das ist anders in einer US-amerikanischen Studie, die in der gleichen Ausgabe des NEJM publiziert wurde. Die Arbeit trägt den Titel »SARS-CoV-2-Infektion nach Impfung bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens in Kalifornien«. Diese Studie wurde von Wissenschaftlern um Jocelyn Keehner von UC San Diego Health in San Diego und der David Geffen School of Medicine an der University of California in Los Angeles durchgeführt.

Es wurden Daten des Klinikpersonals der Universitäten von California, San Diego (UCSD) und Los Angeles (UCLA) ausgewertet. Insgesamt erhielten von 36.659 Mitarbeitern der Kliniken, die die erste Dosis des Impfstoffs erhalten hatten, 28.184 (77 Prozent) auch die zweite Dosis. 379 dieser Personen wurden mindestens einen Tag nach der Impfung positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Bei den meisten (71 Prozent) dieser positiv getesteten Personen wurde die Infektion innerhalb der ersten zwei Wochen nach der ersten Dosis diagnostiziert.

Von den Personen, die beide Impfungen erhalten hatten, wurden 37 Mitarbeiter der Kliniken positiv getestet; 22 dieser positiv Getesteten erhielten ihr Testergebnis ein bis sieben Tage nach der zweiten Dosis. Nur acht Personen wurden 8 bis 14 Tage nach der zweiten Impfung positiv getestet, und bei sieben Mitarbeitern wurde eine Infektion sogar 15 oder mehr Tage nach der zweiten Impfung diagnostiziert.

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