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Mögliche Trendumkehr

Corona-Fallzahlen stabilisieren sich auf hohem Niveau

Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht bei den Corona-Fallzahlen in Deutschland eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Ob dies eine Trendumkehr darstelle, müsse abgewartet werden.
dpa
19.11.2020  14:30 Uhr

Die Lage sei weiterhin sehr ernst, sagte RKI-Chef Professor Dr. Lothar Wieler bei einem Pressebriefing am Donnerstag in Berlin. In den vergangenen Tagen gab es oftmals keinen weiteren Anstieg der Neuinfektionszahlen. Das sei zwar eine gute Nachricht. Ob es sich bei der Entwicklung aber um eine Trendwende handle, müsse man noch abwarten. Insgesamt seien die Fallzahlen immer noch sehr hoch – »viel zu hoch«, sagte Wieler. Die Zahl der schweren Verläufe von Covid 19 und der Intensivpatienten steige weiter. »Auch die Zahl der Todesfälle ist weiterhin sehr hoch.«

Wie die Leiterin des RKI-Lagezentrums, Ute Rexroth, berichtete, wurden dem RKI am Mittwoch 22.609 Neuinfektionen gemeldet. Das entspricht in etwa dem Wert der Vorwoche. Auch die bundesweite 7-Tage-Inzidenz, die derzeit bei 139 auf 100.000 Personen liegt, hat sich nicht verändert. Die Stabilisierung der Zahlen auf hohem Niveau sei ein Hinweis, dass man langsam sehen könne, dass die strengen Regeln greifen, sagte Rexroth. Die Bevölkerung halte sich daran und die Maßnahmen wirkten. Die Fallzahlen seien trotz der leichten Entspannung aber weiter zu hoch. Außerdem sei die Inzidenz gerade bei Hochaltrigen sehr hoch. Entsprechend nehme die Zahl der Hospitalisierungen und der Intensivpatienten zu. Letztere stieg von 3186 vom vergangenen Donnerstag auf heute 3561 an, berichtete Rexrodt. Da sich diese Zahlen immer mit einem Zeitverzug gegenüber den Neuinfektionen verändern, sei noch mit einem weiteren Anstieg, trotz stabiler Infektionszahlen, zu rechnen.

Nach der Änderung der Empfehlungen für Corona-Tests in Deutschland geht das RKI von einer eher geringen Zunahme der Dunkelziffer aus. Aus den verfügbaren Daten, auch zur Belegung der Krankenhäuser, könne man schließen, dass die Untererfassung nicht deutlich höher sei als vor einigen Wochen, sagte RKI-Chef Wieler. Dass es eine bestimmte Dunkelziffer bei der Erkrankung gibt – es wird also nicht jeder Fall erkannt und dann auch gemeldet –, habe man immer gewusst.

Kürzlich wurden die RKI-Empfehlungen an Ärzte, wer auf SARS-CoV-2 getestet werden soll, geändert. Dies wurde auch mit der Zunahme von banalen Erkältungskrankheiten im Herbst und Winter begründet – es könne angesichts begrenzter Kapazitäten in den Laboren nun nicht jeder Patient mit Schnupfen getestet werden. Nun liegt ein besonderer Fokus auf Patienten mit Symptomen wie etwa Lungenentzündung oder Geruchs- und Geschmacksverlust. Vergangene Woche ging die Zahl der durchgeführten PCR-Tests nach Daten eines großen Laborverbands im Vergleich zu den beiden Vorwochen von rund 1,44 Millionen auf rund 1,26 Millionen zurück.

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