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Coronavirus-Pandemie

RKI passt Testkriterien für Herbst- und Wintersaison an

Aufgrund der stark ausgelasteten Labore, die die Auswertung der PCR-Tests durchführen, hat das Robert-Koch-Institut die Teststrategie angepasst. Seit gestern gelten neue Testkriterien. Insbesondere wer nur Schnupfen oder Halsschmerzen hat, wird nicht mehr getestet.
Charlotte Kurz
04.11.2020  12:00 Uhr

Seit Montag gilt bundesweit erneut ein Lockdown: Gaststätten und Bars müssen geschlossen bleiben, auch Freizeit- und Sporteinrichtungen können aktuell nicht genutzt werden, um das hohe Infektionsgeschehen zu reduzieren. Erst gestern warnten die Labore vor einer akuten Überlastung bei der Auswertung der Coronavirus-Tests. Die Testkapazität sei bundesweit erstmalig zu 100 Prozent ausgelastet, erklärte der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin am Dienstag.

Daraufhin reagierte das Robert-Koch-Institut (RKI) und überarbeitete die Teststrategie, die zuletzt am 14. Oktober aufgrund des Dritten Bevölkerungsschutzgesetzes umgestellt wurde. Seit Mitte Oktober wird auch die Durchführung von Antigen-Schnelltests vor allem in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern empfohlen. Seit diesem Dienstag gelten laut RKI nun Anpassungen für die anstehende Herbst- und Wintersaison. Der Vizepräsident des Instituts, Professor Dr. Lars Schaade, erklärte in der Bundespressekonferenz am Dienstag: »Je höher die Fallzahlen, desto schwieriger wird es, alle Personen mit Atemwegsinfektionen zu testen. Im Herbst und Winter nehmen diese ja auch unabhängig von Corona durch andere Viren zu.«

Wenn alle Personen mit Erkältungssymptomen getestet werden würden, müssten wöchentlich mehr als drei Millionen Tests durchgeführt werden, so Schaade. Insbesondere drei Faktoren spielen Schaade zufolge eine Rolle für die angepasste Teststrategie: »Die Symptomatik, zum Beispiel schwerer Husten, Fieber, Atemnot und Störung des Geruchs- oder Geschmackssinns. Zweitens die Frage, ob die symptomatische Person oder ihre Kontaktpersonen aus den Risikogruppen stammen, und drittens die Wahrscheinlichkeit, dass die Person dem Virus ausgesetzt war.«

Wer nur Halsschmerzen hat, wird nicht getestet

Demnach konzentriert sich die angepasste Strategie, die sich auf die PCR-Tests bezieht, auf Personen mit schweren Symptomen und Geruchsstörungen. Personen, die nur milde Symptome zeigen, werden nur dann getestet, wenn sie Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall hatten, zu einer Risikogruppe gehören, im medizinischen Bereich arbeiten oder engen Kontakt zu vielen Menschen haben. Dazu gehören Lehrer, Chorleiter, aber auch Sexarbeiter.

Das RKI betont, dass diese Strategie »einen Großteil der Bevölkerung« nicht adressiert. Wer lediglich Schnupfen oder Halsschmerzen hat, werde künftig nicht mehr getestet. Bisher galt, wer zwar asymptomatisch war, aber Kontakt zu einem bestätigten Covid-19 Fall hatte, wurde ebenfalls getestet.

Das RKI empfiehlt trotzdem, dass auch Personen mit milden Symptomen wie etwa Halsschmerzen sich genauso verhalten sollen, als hätten sie eine Covid-19-Erkrankung. Dafür ist eine »Isolation zu Hause für fünf Tage und mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit vor Beendigung sowie eine Kontaktreduktion« notwendig.

Medizinisches Personal auch ohne Symptome werde weiterhin getestet, wo es nötig sei, erklärte eine Sprecherin des RKI auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung. Die Informationen der angepassten Teststrategie werde nun nach und nach die Ärzte erreichen. Auch die Gesundheitsämter sollen durch die Bundesländer zügig von der neuen Strategie informiert werden. Von der Anpassung der Teststrategie erhofft sich das RKI eine Verhinderung der Überlastung der Laborkapazitäten.

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