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Tirschenreuth-Studie

Corona-Dunkelziffer lag in erster Welle bei 80 Prozent

Vergangenes Jahr war der oberpfälzische Landkreis Tirschenreuth zeitweise der größte Corona-Hotspot Deutschlands. Nun haben Fachleute Zwischenergebnisse einer Studie vorgelegt, die sich unter anderem mit der Dunkelziffer der Infizierten in der Region während der ersten Corona-Welle befasst.
dpa
15.04.2021  08:00 Uhr

Die Dunkelziffer der SARS-CoV-2-Infizierten im Landkreis Tirschenreuth lag in der ersten Jahreshälfte 2020 bei 80 Prozent – zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie, die im Frühjahr 2020 im damaligen Corona-Hotspot Tirschenreuth gestartet worden war. Demnach kamen auf eine Person, bei der eine Infektion mittels Test registriert worden war, vier Personen, die Antikörper aufwiesen und somit infiziert waren, ohne es gewusst zu haben.

Bis Juni 2020 hatten den Berechnungen zufolge 8,6 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Tirschenreuth eine SARS-CoV-2-Infektion durchlaufen. Am höchsten war die Dunkelziffer mit 92 Prozent unentdeckter Infektionen in der Altersgruppe der 14- bis 20-Jährigen. Bei den Menschen ab 85 Jahren lag sie bei 41 Prozent. 2,5 Prozent der Infizierten starben zwischen Februar und Juni 2020 an oder mit einer Covid-19-Erkrankung. 0,5 Prozent der Verstorbenen waren jünger als 60 Jahre, 14 Prozent stammten aus der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen. 45 Prozent der Verstorbenen lebten in Senioren- und Pflegeheimen.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass in der ersten Welle sowohl Alter als auch Betreuungssituation Einfluss auf die Sterberate im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion hatten und die Dunkelziffer unter jüngeren Menschen besonders hoch war. Das stütze die aktuelle Teststrategie, die Jugendliche einbezieht, sowie die bevorzugte Impfung von Menschen ab 70 Jahren und von Personal in Pflege- und Heilberufen.

Per Zufallsprinzip waren für die Studie 6600 Menschen ab 14 Jahren ausgewählt und um Teilnahme gebeten worden, 4200 von ihnen (64 Prozent) hätten mitgemacht, teilten die Studienleiter am Mittwoch mit. In Auftrag gegeben hatte die Studie im vergangenen April das bayerische Wissenschaftsministerium, durchgeführt wird sie von Fachleuten der Universitätskliniken Regensburg und Erlangen. Die Studie läuft noch, weitere Ergebnisse sollen folgen.

Den Angaben nach war Tirschenreuth bis Herbst 2020 bei mehr als 1500 registrierten Infektionen pro 100.000 Einwohnern der am stärksten von Corona betroffene Landkreis in Deutschland. Am Mittwoch war Tirschenreuth nach Zahlen des Robert-Koch-Institutes (RKI) mit 94,4 der Landkreis mit der zweitniedrigsten Inzidenz in Bayern. 

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