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Chronifizierung

Chronische Gicht durch mangelnde Therapietreue

Akute Gichtattacken sind überaus schmerzhaft. Trotzdem lässt die Compliance vieler Patienten während der symptomlosen Zeit oft mehr als zu wünschen übrig. Das kann sich rächen. Umso wichtiger ist eine professionelle Beratung und Motivation durch die Apotheke.
Christiane Berg
10.09.2021  18:00 Uhr

Der akute, von allgemeinen Entzündungszeichen wie Schwellung, Rötung und Hitze der betroffenen Region und oft auch Fieber und Übelkeit begleitete Gichtanfall ist sehr schmerzhaft. Er wird von Betroffenen geradezu als »Krieg in den Gelenken« und »Folter« beschrieben, berichtete Barbara Staufenbiel, Apothekerin aus Münster, diese Woche bei einer Fortbildungsveranstaltung der Apothekerkammer Niedersachsen. Dennoch sei mit Blick auf die Dauermedikation mit harnsäurespiegelsenkenden Urikostatika wie Allopurinol (Mittel der ersten Wahl) oder Febuxostat beziehungsweise Urikosurika wie Probenecid und Benzbromaron studiengemäß eine eingeschränkte Adhärenz der Patienten zu verzeichnen.

In der Akut-Behandlung kommen nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Naproxen sowie Corticosteroide, Colchicin und das Immunsuppressivum Canakinumab zum Einsatz. »Aber haben die Patienten die oft heftige, akute Attacke mittels schmerz- und entzündungshemmender Medikamente überstanden, so vergessen sie häufig die konsequente Einnahme der nun zumeist notwendigen harnsäuresenkenden Dauertherapie«, konstatierte die Referentin. Das sei besonders fatal, da es in Folge der reduzierten Adhärenz zu rezidivierenden und in immer kürzeren Abständen auftretenden Gichtattacken sowie zu bleibenden Schäden an Knochen und Gelenken kommen kann. Diese können letztlich mit chronischen Schmerzen sowie spezifischen Komorbiditäten wie kardiovaskulären Erkrankungen und einem erhöhten Mortalitätsrisiko einhergehen, warnte sie. »In der Betreuung der Betroffenen muss die Apotheke daher ein besonderes Auge darauf haben, dass die Therapie systematisch und konsequent erfolgt.«

Auch Medikamente als Auslöser von Gichtattacken

Die primäre Gicht ist unter anderem auf erbliche Nierenfunktionsstörungen oder auf Beeinträchtigungen des Purinstoffwechsels durch sehr seltene Enzymdefekte wie das Lesch-Nyhan- oder das Kelley-Seegmiller-Syndrom zurückzuführen. Zur sekundären Gicht könne es in Folge von Grunderkrankungen wie einem entgleisten Diabetes mellitus, chronischer Niereninsuffizienz oder Azidose beziehungsweise starker Verletzungen oder Tumoren unter Zytostatika- und Strahlentherapie kommen.

Als beeinflussbare Risikofaktoren, die die Entstehung akuter und schmerzhafter Gichtanfälle forcieren können, hob Staufenbiel das metabolische Syndrom, Adipositas, arterielle Hypertonie beziehungsweise emotionalen und körperlichen Stress sowie nutritive Faktoren wie Alkohol, purinreiche Nahrungsmittel, Getränke mit hohem Fructosegehalt und eine fleischlastige Ernährung hervor. Als Auslöser könnte zudem die gleichzeitige Einnahme spezifischer Arzneimittel und hier insbesondere von Diuretika, Acetylsalicylsäure, Levodopa, Ciclosporin A, Tacrolimus oder Tuberkulostatika fungieren, die den Harnsäurespiegel erhöhen können.

Die Pharmazeutin betonte, dass spezifischen Hinweisen gemäß bei der Entstehung der Gicht weitere Faktoren eine Rolle spielen müssen. So gäbe es Patienten mit sehr hohen Harnsäurewerten im Serum, die Zeit ihres Lebens keinen Gichtanfall bekommen, aber auch Patienten mit sehr niedrigen Harnsäurewerten, die trotzdem Gichtanfälle erleiden.

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