| Theo Dingermann |
| 03.08.2026 10:30 Uhr |
Die eigentliche Dynamik wird jedoch erst in den Innovationskennzahlen sichtbar. Nach den vom Handelsblatt zitierten Daten von Porsche Consulting stammen inzwischen vier der acht weltweit führenden Unternehmen mit den meisten Wirkstoffkandidaten in der zulassungsnahen Entwicklungsphase aus China.
Gleichzeitig wächst das Volumen der Lizenzvereinbarungen mit westlichen Pharmaunternehmen rasant und könnte 2026 rund 250 Milliarden US-Dollar erreichen. Viele innovative Arzneimittel, die künftig unter den Namen westlicher Konzerne auf den Markt kommen, dürften daher ihren Ursprung in chinesischen Forschungslaboren haben.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel in technologisch anspruchsvollen Bereichen wie der Onkologie. China hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Innovationsstandort für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC), bispezifische Antikörper und T-Zell-Engager entwickelt. Internationale Pharmakonzerne lizenzieren deshalb zunehmend nicht fertige Medikamente, sondern bereits frühe Entwicklungsprogramme chinesischer Biotech-Unternehmen, um ihre eigenen Innovationspipelines zu stärken.
Parallel dazu verschiebt sich auch das Zentrum der klinischen Forschung. Rund 30 Prozent aller weltweit neu gestarteten klinischen Studien entfallen inzwischen auf China. Gleichzeitig nähert sich das Land bei innovativen Erstzulassungen den USA an und übernimmt in einzelnen Technologiefeldern bereits die Führungsrolle. China entwickelt sich damit nicht nur zu einem bedeutenden Forschungsstandort, sondern zunehmend auch zu einem Taktgeber der globalen Arzneimittelentwicklung.
Trotz dieser Dynamik ist der internationale Aufstieg kein Selbstläufer. Experten sehen vor allem drei Herausforderungen: Es fehlt vielerorts an international erfahrenem Personal für globale Zulassungs- und Vermarktungsprozesse, kulturelle Unterschiede erschweren die Integration in westliche Märkte, und geopolitische Spannungen – etwa der geplante Biosecure Act in den USA – könnten den Marktzugang chinesischer Unternehmen künftig erschweren.