| Annette Rößler |
| 06.05.2026 07:00 Uhr |
Ausschlaggebend für die Zulassung waren die Ergebnisse der Phase-II/III-Studie CA224047. Sie schloss 714 Patienten mit zuvor unbehandeltem metastasiertem oder nicht resezierbarem Melanom ein, die entweder mit Nivolumab allein (480 mg alle vier Wochen, 359 Patienten) oder mit Nivolumab/Relatlimab (480 mg/160 mg alle vier Wochen, 355 Patienten) behandelt wurden. Die Randomisierung wurde stratifiziert nach Tumor-PD-L1-Expression (≥ 1 Prozent versus < 1 Prozent). Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS), sekundäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben (OS) und die Gesamtansprechrate (ORR).
In der Gesamtpopulation wurde eine signifikante Verbesserung des PFS beobachtet (median 10,2 Monate unter Nivolumab/Relatlimab versus 4,63 Monate unter Nivolumab). In der Subgruppe der Patienten mit PD-L1-Expression < 1 Prozent (209 Personen in der Nivolumab/Relatlimab-Gruppe und 212 in der Nivolumab-Gruppe) lauteten die Ergebnisse: PFS median 6,7 versus 3,0 Monate und ORR 36,4 versus 24,1 Prozent. Das mediane OS war in dieser Subgruppe zum Zeitpunkt der Auswertung nach median 17,78 Monaten in der Nivolumab/Relatlimab-Gruppe noch nicht erreicht und betrug in der Nivolumab-Gruppe 27,0 Monate.
Die häufigsten Nebenwirkungen von Opdualag sind Ermüdung/Fatigue, Muskel- und Skelettschmerzen, Ausschlag, Arthralgie, Diarrhö, Pruritus und Kopfschmerzen. Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen sind Nebenniereninsuffizienz, Anämie, Rückenschmerzen, Kolitis, Diarrhö, Myokarditis, Pneumonie und Harnwegsinfektion.
Das Medikament ist bei 2 bis 8 °C im Kühlschrank und im Umkarton zu lagern.
Checkpoint-Inhibitoren für die Krebsimmuntherapie gibt es mittlerweile viele. Relatlimab ist allerdings der erste gegen das Lymphozyten-Aktivierungsgen 3 (LAG-3) gerichtete Antikörper. Damit gibt es nun einen weiteren Signalweg, dessen Hemmung beim Melanom einen klinischen Nutzen erzielt. Schon aufgrund des neuen Targets ist Relatlimab als Sprunginnovation zu sehen.
Die Fixkombination von Relatlimab und dem PD-1-Hemmer Nivolumab in Opdualag® ergibt aufgrund des synergistischen Wirkprinzips Sinn. Die Kombination führt zu einer verstärkten T-Zell-Aktivierung durch die parallele Blockade zweier inhibitorischer Signalwege. In der Zulassungsstudie verlängerte die duale Immuntherapie das mediane progressionsfreie Überleben gegenüber einer Nivolumab-Monotherapie signifikant, insbesondere bei Patienten mit niedriger PD-L1-Expression.
Genau für dieses nicht kleine Patientenkollektiv, also Betroffene mit einer PD-L1-Expression kleiner 1 Prozent, ist Opdualag nun auch zugelassen und wird für die Erstlinienbehandlung des fortgeschrittenen Melanoms zukünftig sicher eine wichtige Therapieoption werden.
Wie sieht es mit der Sicherheit der dualen Krebsimmuntherapie aus? Die Inzidenz von Grad-3- bis -5-Nebenwirkungen bei Patienten mit fortgeschrittenem Melanom betrug 43 Prozent in der Zulassungsstudie, unter Nivolumab-Monotherapie nur 35 Prozent. Hier gilt es also, verstärkt auf Nebenwirkungen zu achten. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) kommt aber zu dem Schluss, dass bei Opdualag trotzdem der Nutzen die Risiken überwiegt.
Sven Siebenand, Chefredakteur