Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Juristische Analyse
-
Chancen und Risiken der Apothekenreform

Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sieht zahlreiche Veränderungen für Apotheken vor: mehr Impfungen, flexiblere Arzneimittelabgabe und die Erleichterung der Gründung von Zweigapotheken. Rechtsanwalt und Politikberater Martin Jäger sieht darin nicht nur Chancen, sondern auch Risiken.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 27.03.2026  13:00 Uhr

Nullretaxation & Skonti-Urteil

Bei Nullretaxation will die Regierung die Krankenkassen beschränken, etwa bei fehlender Chargennummer ausschließen. Durch die Einschränkungen der Nullretaxation gebe es mehr finanzielle Planungssicherheit für Apotheken. Außerdem werde damit der »Strafpolitik«-Gedanke verwässert, so Jäger. Allerdings bleibt die rechtliche Grundlage wackelig, wegen des unbestimmten Rechtsbegriffs »geringfügig«, denn hier gebe es erheblichen Auslegungsspielraum. Rechtsanwalt Jäger kann sich vorstellen, dass es neue Rechtsstreitigkeiten über Nullretaxationen gibt, diese blieben somit ein »Berufsrisiko«.

Die Apothekenreform sieht zudem die Aufhebung des »Skontoverbots« vor, um Apotheken finanziell im Einkauf wieder mehr Spielraum zu verschaffen. »Skonti geben zum einen Planungssicherheit für Arzneimittelgroßhändler und Apotheken und befeuern den Wettbewerb«, so das Fazit von Jäger.

pDL als kalkuliertes Produkt

»Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) müssen als kalkuliertes Produkt angeboten und nicht nebenbei abgefrühstückt werden«, mahnt Jäger. Sie könnten eine Chance für ein zusätzliches Leistungsfeld darstellen. Dieses könne durch standardisierte Maßnahmen und Prozesse gut erschlossen werden. So seien einige pDL im Team delegierbar. »Die Haftung muss dabei aber klar sein, ebenso wie die Journey der Patientin oder des Patienten.«

Jäger plädierte für den Aufbau eigener SOP (Standardarbeitsanweisungen) und eines legalen Zuweisernetzwerks, da pDLs mit den Ärzten im Umfeld. Der Jurist betonte, dass die beiden pharmazeutischen Dienstleistungen »Pharmazeutisches Medikationsmanagement bei komplexer Dauermedikation« und »Pharmazeutisches Medikationsmanagement bei neu verordneter Dauermedikation« nur auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung durchgeführt werden dürfen.

Außerdem sieht er dank der pDLs eine Kompetenzerweiterung für Apothekerinnen und Apotheker und ihre sinnvolle Einbindung in die Versorgungslandschaft. »Apotheken sind die besseren Gesundheitskioske«, so Jäger. Dennoch gebe es auch hier Risiken. So sei die Vergütung noch unklar und Haftungsrisiken müssen identifiziert und vermieden werden. Zudem seien die Leistungen für viele Patientinnen und Patienten noch unklar.  

Mehr von Avoxa