Pharmazeutische Zeitung online
Studie

Cannabis-Legalisierung brächte knapp 5 Milliarden Euro

Laut einer aktuellen Studie der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität würde die Legalisierung von Cannabis dem Staat jährliche Einnahmen von rund 4,7 Milliarden Euro bescheren. Dazu zählen Mehreinnahmen etwa durch Steuern, aber auch Einsparungen von Polizei- und Justizkosten. Zudem könnten mehr als 27.000 Arbeitsplätze entstehen.
Charlotte Kurz
17.11.2021  10:45 Uhr
Cannabis-Legalisierung brächte knapp 5 Milliarden Euro

Nächste Woche könnte ein gesundheitspolitisch historischer Moment in Deutschland eintreten. Kommende Woche wollen SPD, Grüne und FDP ihren gemeinsamen Koalitionsvertrag auf Bundesebene vorlegen, erklärten am gestrigen Dienstag die Partei-Manager der drei Parteien in Berlin. Bis dahin gilt wie in den letzten Wochen auch das Gebot der Vertraulichkeit. Dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Ampel-Parteien auf eine Form der Cannabis-Liberalisierung, wenn nicht sogar eine Legalisierung, einigen. Bislang ist der Verkauf und Besitz von Cannabis zu Genusszwecken laut Betäubungsmittelgesetz verboten – Ausnahmen gelten nur für medizinisches Cannabis auf Rezept.

Just in dieser Woche veröffentlichten hierzu der Wettbewerbsökonom und Wirtschaftswissenschaftler Professor Justus Haucap und sein Mitarbeiter Leon Knoke vom Düsseldorf Institute für Competition Economics (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität eine Studie, die untersucht, welchen finanziellen Mehrwert eine solche Legalisierung eigentlich hätte. Das Ergebnis: Der Staat würde von einer Legalisierung fiskalisch, also finanziell, deutlich profitieren. Einen Betrag von rund 4,7 Milliarden Euro schätzt Haucap, könnte Deutschland durch die Cannabis-Legalisierung einnehmen. Der Betrag setzt sich einerseits aus Mehreinnahmen dank neuen Steuerquellen und andererseits aus Einsparungen durch Entlastung der Polizei und der Justiz zusammen.

Konkret schätzte Haucap in der Studie den Cannabis-Gesamtbedarf für Deutschland im Jahr 2021 auf 400 Tonnen. Daraus leitete er Steuereinnahmen von rund 2,8 Milliarden Euro ab. Teil davon wären Gewinne durch eine Cannabis-Steuer (1,8 Milliarden Euro), die ähnlich wie eine Alkohol- oder Tabaksteuer gebildet werden könnte, einer Umsatzsteuer von 650 Millionen Euro, einer Gewerbe- und Körperschaftssteuer von etwa 85 Millionen Euro sowie einer Lohnsteuer von rund 280 Millionen Euro. Zudem wurde ein zusätzliches Sozialversicherungsaufkommen von 526 Millionen Euro geschätzt.

Bei den derzeit anfallenden Kosten könnten insgesamt 1,36 Milliarden Euro eingespart werden. Höchstes Einsparpotenzial sieht Haucap bei der Polizei (1,05 Milliarden Euro). Aber auch die Kosten von Staatsanwaltschaft, Gerichten und des Justizvollzugs in Höhe von etwa 313 Millionen Euro könnten durch eine Legalisierung eingespart werden.

Mehr von Avoxa