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Coronavirus

Blutgruppen bestimmen Übertragungsrisiko mit

Die Blutgruppe hat nach wissenschaftlichen Erkenntnissen einen gewissen Einfluss auf das individuelle Corona-Infektionsrisiko. Studiendaten deuten nun auch auf eine  Rolle der Blutgruppe bereits bei der Übertragung des Coronavirus hin.
dpa
28.04.2022  17:40 Uhr

So fand ein Forscherteam um Rachida Boukhari und Dr. Adrien Breiman von der Universität Nantes heraus, dass ein infizierter Mensch wesentlich häufiger eine andere Person im selben Haushalt ansteckt, wenn die Blutgruppen der beiden kompatibel sind. Die Erkenntnisse aus der französischen Studie wurden im Fachjournal »Frontiers in Microbiology« veröffentlicht. 

Den Daten liegen die Befragungen coronainfizierter Klinikmitarbeiter und derer im gemeinsamen Haushalt lebender Partner zugrunde. Die Infektionen fanden demnach von Januar 2020 bis Mai 2021 statt. Die Forscher erfassten die Blutgruppen der Menschen, wobei die jeweilige Häufigkeit der Zugehörigkeit in der Stichprobe etwa der in der französischen Gesamtbevölkerung entsprochen habe, hieß es. Insgesamt konnten die Forscher so bei 333 Paaren die Weitergabe des Virus in Abhängigkeit von der Blutgruppe ermitteln.

Das Ergebnis: Waren die Blutgruppen miteinander verträglich, also beispielsweise, wenn der Erstinfizierte die Blutgruppe 0 hatte und der Empfänger A, B oder AB, kam es in 47,2 Prozent der Fälle zu einer Ansteckung. Im umgekehrten Fall, wenn der Infizierte eine Blutgruppe hatte, die der Partner bei einer Blutspende nicht verträgt, kam es nur zu 27,9 Prozent zu einer Ansteckung. Konkret bedeutete dies ein um 41 Prozent geringeres Ansteckungsrisiko, wenn die Blutgruppen nicht zueinander passten.

Bezogen auf die einzelnen Blutgruppen bestätigten die Studienergebnisse im Umkehrschluss bisherige, mehrfach empirisch gewonnene Erkenntnisse, nach denen ein Mensch mit der Blutgruppe 0 das geringste Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus hat, so die Forscher. Blutgruppe 0 beim Empfänger ist schließlich nur mit der eigenen kompatibel. Wenn ein Mensch dieser Blutgruppe aber infiziert sei, könne er das Virus besonders leicht an Menschen verschiedener Blutgruppen weitergeben.

Insgesamt könnten die Beobachtungen erklären, warum Menschen mit der Blutgruppe 0 besser gegen Corona geschützt seien als Menschen der Blutgruppe A und B, schreiben die Studienautoren. Der Schutz basiere offenbar auf den Häufigkeiten von Antikörpern, die gegen die A- und B-Antigene gerichtet sind. Die Blutgruppen werden nach diesen Kohlenhydratstrukturen auf der Oberfläche der Erythrozyten (roten Blutzellen) benannt. Bei Menschen mit der Blutgruppe AB sind beide Kohlenhydrate in der Erythrozytenmembran enthalten. Bei Blutgruppe A ist nur das Antigen A vorhanden, bei der Blutgruppe B nur B und bei der Blutgruppe 0 keines von beiden.

»Da die Blutgruppe A häufiger vorkommt als die Blutgruppen B und AB, treffen Personen der Blutgruppe A in einer Bevölkerung westeuropäischer Herkunft seltener auf inkompatible Infizierte«, so die Autoren. Die Datenanalyse erkläre wahrscheinlich, warum nach bisheriger Kenntnis Menschen der Blutgruppe A ein höheres Risiko und Personen der Blutgruppe 0 ein geringeres Risiko für Covid-19 als der Durchschnitt der Bevölkerung hätten.

Die Blutgruppen-Antigene kommen aber nicht nur auf Erythrozyten, sondern auch auf Zellen anderer Gewebe etwa  der Atmungsorgane und des Gastrointestinaltraktes vor und sie spielen bei der Erkennung von Mikroorganismen eine Rolle. Viren und auch andere Pathogene können offenbar an diese Strukturen selektiv binden und darüber die Besiedlung des Gewebes beeinflussen.

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