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Studie mit Mäusen

Blutaustausch verringert Schlaganfall-Symptome

Wenn Mäuse nach einem Schlaganfall das Blut von gesunden Tieren erhalten, lassen sich dadurch neurologische Folgeschäden reduzieren. Das zeigt eine Veröffentlichung in »Nature Communications«. Lässt sich daraus ein neuer Behandlungsansatz für Schlaganfall-Patienten ableiten?
Christina Hohmann-Jeddi
04.09.2020  07:00 Uhr

Ein Schlaganfall ist mehr als eine Unterversorgung von Teilen des Gehirns mit Blut. Er löst komplexe pathologische systemische Reaktionen aus, die sich bisher nur unzureichend behandeln lassen. Die Blut-Hirn-Schranke wird undicht und es tritt ein hyperinflammatorischer Zustand auf, in dem eine Zunahme von inflammatorischen Zellen, Zytokinen und Chemokinen im Blut zu beobachten ist. Diese Reaktionen tragen mit zu den neurologischen Schäden, den typische Langzeitfolgen eines Schlaganfalls wie Lähmungserscheinungen, Sprach-, Seh- und Schluckstörungen bei.

Eine Bluttransfusion innerhalb von 6,5 bis 7 Stunden nach dem Schlaganfall könnte die schädigende systemische Reaktion vermindern und die neurologischen Schäden weitgehend vermeiden. Das konnten Forscher der West Virginia University in Morgantown um Dr. Xuefang Ren in einer Reihe von Untersuchungen mit Mäusen zeigen. Das geschädigte Areal im Gehirn fiel durch den Blutaustausch geringer aus. Ren und ihre Kollegen vermuten, dass das Enzym Matrix-Metalloproteinase-9 (MMP-9) eine Rolle in der Pathophysiologie spielt. Bekanntermaßen sind die Konzentrationen der Proteinase, die von Neutrophilen und Makrophagen produziert wird und eine proinflammatorische Signalkaskade in Gang setzt, in den ersten Stunden nach einem Schlaganfall sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen im Blut erhöht. Durch den Blutaustausch ließ sich sowohl die Konzentration von MMP-9 als auch von Proteinen und Immunzellen senken, die proinflammatorisch wirken, berichten die Forscher im Fachjournal »Nature Communications«. Setzte das Team dem transfundierten Blut MMP-9 zu, hob dies die positive Wirkung auf.

Zusammengenommen zeigten die Ergebnisse, dass durch einen Blutaustausch die neurologischen Schäden nach einem Schlaganfall »deutlich reduziert« werden können, schreiben die Forscher. Die verbesserte Symptomatik sei durch eine Reduktion der MMP-9-Konzentration und darüber eine Reduktion der systemischen Entzündung bedingt. Sie sehen im Blutaustausch einen möglichen neuen Ansatz zur Therapie eines Schlaganfalls. Weitere Studien müssen dies aber noch bestätigen. Darüber hinaus bietet sich MMP-9 als Target für potenzielle Arzneistoffe an.

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