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Schlaganfall

Neue Therapieoption in Aussicht

Schon einmal etwas vom Lysophatsäure-Signalweg und dem Enzym Autotaxin gehört? In einem Fachjournal stehen sie im Mittelpunkt des Geschehens. Autotaxin-Hemmer könnten eines Tages eine völlig neue Methode der Schlaganfall-Behandlung darstellen.
Sven Siebenand
28.04.2022  09:00 Uhr

Bei einem ischämischen Schlaganfall wird das Gehirn unzureichend mit Blut und ungenügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Der Körper schüttet als Reaktion darauf große Mengen an Neurotransmittern aus. Vor allem en masse freigesetztes Glutamat führt zur Reizüberflutung der Gehirnzellen. Diese kann zu einer Funktionsstörung von Nervenzellen und zu ihrem Absterben führen. Als weitere Konsequenz geht Hirngewebe dauerhaft verloren, was wiederum bleibende Behinderungen verursachen kann. Heutzutage geht es in der Behandlung vor allem darum, Gewebe zu retten, indem die Durchblutungsstörung so früh wie möglich behoben wird. Therapeutische Ansätze, die in die Signalübertragung des Gehirns eingreifen, sind bislang nicht möglich. Das könnte sich eines Tages aber durchaus ändern.

In »Science Translational Medicine« hat ein Forscherteam um Lynn Bitar, Dr. Carine Thalman und Professor Dr. Timo Uphaus von der Universitätsmedizin Mainz einen neuen Ansatz zur Behandlung des Schlaganfalls vorgestellt. Eine Pressemeldung der Einrichtung nimmt Bezug darauf.

Die Forscher konnten nachweisen, dass ein Signalweg der Lysophosphatsäure (LPA), ein bioaktives Lipid im Gehirn, die Erregbarkeit von Nervenzellen nach einem Schlaganfall reguliert und so die Schwere der Beeinträchtigung bei den Betroffenen beeinflusst. Gesteuert wird dieser LPA-Signalweg durch das Enzym Autotaxin (ATX). Im experimentellen Modell zeigte sich, dass durch eine Hemmung von ATX auch noch Stunden nach dem Schlaganfall die Erregbarkeit von Netzwerken im Gehirn reduziert werden konnte. Dies führte dazu, dass die Folgen des Schlaganfalls weniger schwer ausfielen.

Diese Erkenntnisse könnten eine klinische Perspektive darstellen. Da bei den Betroffenen nach dem Schlaganfall sowohl die ATX- als auch die LPA-Konzentration im Liquor erhöht ist, ergeben sich neue Therapiemöglichkeiten, die auch noch nach dem eigentlichen Schlaganfall greifen könnten, so Professor Dr. Frauke Zipp aus Mainz, die als Seniorautorin an der Publikation beteiligt ist.

Wie der Pressemitteilung ferner zu entnehmen ist, werden ATX-Hemmer bereits entwickelt. Bis sie tatsächlich im Markt sind, ist es aber noch ein sehr langer Weg.

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