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Bispezifische Antikörper
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Besonderheiten bei der Anwendung

Die mittlerweile elf zugelassenen bispezifischen Antikörper werden vor allem bei hämatologischen Neoplasien eingesetzt. Alle können bestimmte Nebenwirkungen auslösen, die eine intensive Überwachung und Betreuung der Patienten erfordern.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 18.08.2026  07:00 Uhr

Bispezifische Antikörper oder auch bispezifische T-Zell-Engager (BiTE) verfügen über zwei Bindungsstellen, mit denen sie an zwei verschiedene Moleküle binden und diese wie eine Brücke verbinden. Sehr häufig werden dadurch T-Zellen mit Tumorzellen zusammengebracht, um sie zu zerstören. Das Prinzip hat sich vor allem bei verschiedenen B-Zell-Malignomen bewährt: Entsprechende Zielmoleküle auf entarteten B-Zellen sind etwa CD19, CD20, BCMA und GPRC5D, während auf T-Zellen meist CD3 adressiert wird.

In einem Beitrag in der Ausgabe 4/2026 der DPhG-Mitgliederzeitschrift »Pharmakon« geht ein interdisziplinäres Team aus drei Apothekerinnen, zwei Ärztinnen und einem Arzt um die Hämatologin Professor Dr. Monika Engelhardt vom Universitätsklinikum Freiburg auf die Besonderheiten von BiTE in der klinischen Praxis ein. Die Autorinnen betonen zunächst, dass es sich bei den BiTE um sehr wirksame Arzneistoffe handelt, die vor allem für Patienten mit ungünstiger Prognose eine lebensrettende Option darstellen können: Gesamtansprechraten von 60 bis 80 Prozent nach zwei bis drei vorherigen Therapielinien etwa bei den Non-Hodgkin-Lymphomen seien »beeindruckend«.

Patienten über CRS und ICANS aufklären

Klinisch entscheidend sei das Management von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) der bispezifischen Antikörper, vor allem von schweren UAW wie dem Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) oder dem Immun-Effektorzell-assoziierten Neurotoxizitätssyndrom (ICANS). Ein CRS tritt sehr häufig und besonders in den ersten Behandlungszyklen auf, ein ICANS ist seltener. Alle Patienten müssen über diese UAW im Vorfeld genau aufgeklärt werden, um bei potenziellen Anzeichen wie Fieber, Tachykardie, Dyspnoe, Krämpfen oder Verwirrtheit sofort einen Arzt aufsuchen zu können. Zur Behandlung eines CRS müssen laut Leitlinie mindestens zwei Dosen des Anti-IL-6-Antikörpers Tocilizumab vorrätig gehalten werden.

Im mittelfristigen Behandlungsverlauf stellten Infektionen laut den Autorinnen eine wichtige UAW aller BiTE dar. Vor Therapiebeginn müsse daher der Impfschutz des Patienten komplettiert werden; empfohlen werden neben der saisonalen Grippeimpfung die Covid-19-, Pneumokokken- und Varizella-Zoster-Impfung. Ebenfalls vor Therapiebeginn sollen der Cytomegalie-Virus-(CMV-) und der Hepatitis-B-Virus-(HBV-)Status erhoben werden. In Abhängigkeit von den Ergebnissen dieser Tests müssen die Patienten gemonitort beziehungsweise eine Prophylaxe eingeleitet werden.

Viele Patienten entwickeln unter einer Therapie mit BiTE eine Neutropenie, was das Infektionsrisiko zusätzlich erhöht. Bei einer Neutropenie ab Grad 3 wird die Gabe eines Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktors (G-CSF) empfohlen, jedoch nicht bei Patienten mit CRS, weil die Anwendung eines G-CSF die Zytokinfreisetzung zusätzlich triggert.

Infolge einer tiefen und manchmal lang anhaltenden B-Zell-Depletion könne es unter BiTE-Therapie langfristig zu einer Hypogammaglobulinämie kommen, schreiben die Autorinnen. Die IgG-Spiegel der Patienten müssten daher regelmäßig gemessen und bei Bedarf Immunglobuline intravenös verabreicht werden. Bei Patienten mit Risikokonstellationen und rezidivierenden Infektionen solle dies sogar unabhängig vom IgG-Spiegel monatlich erfolgen.

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme sei eine medikamentöse Prophylaxe einer Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie und von Herpes-simplex-Virus-(HSV-) sowie Varicella-zoster-Virus-(VZV-)Infektionen. Die vorbeugende Therapie erfolge üblicherweise mit Cotrimoxazol beziehungsweise Aciclovir.

Regelmäßig in die Fachinfo schauen

Um die Risiken von UAW zu minimieren, wird bei den BiTE meistens zu Therapiebeginn die Dosis schrittweise erhöht und es ist eine Prämedikation vorgesehen. Letztere beinhaltet in der Regel ein Corticosteroid, ein H1-Antihistaminikum und Paracetamol. Die Autorinnen weisen darauf hin, dass diesbezüglich ein häufiger Blick in die Fachinformationen vonnöten ist: Beispielsweise sei bei Teclistamab der Zeitraum, nach dem eine Wiederholung der Step-up-Dosen erforderlich ist, verlängert worden und bei Amivantamab die Prämedikation intensiviert worden. Um stets up to date zu sein, müsse die Anwendung daher regelmäßig überprüft und Therapieprotokolle müssten gegebenenfalls angepasst werden.

CAR-T-Zell-Therapien adressieren teilweise dieselben Targets wie BiTE, etwa BCMA beim Multiplen Myelom. Schließlich widmen sich die Autoren noch der Frage, ob bei einer Anwendung nacheinander zuerst der BiTE oder zuerst die CAR-T-Zelltherapie gegeben werden sollte. In diesem Fall solle erst die CAR-T-Zell-Therapie gegeben werden, lautet die Antwort. Gründe für diese Empfehlung seien eine mögliche Downregulation des Zielantigens sowie eine potenzielle T-Zell-Erschöpfung unter BiTE-Therapie, was die Wirksamkeit einer CAR-T-Zelltherapie mit demselben Target abschwächen kann.

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