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Schweiz
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Beratung zur »Pille danach« soll diskreter werden

In der Schweiz können Betroffene bezüglich der Notfallverhütung künftig einen Teil der gesetzlich erforderlichen Anamnese selbst erfassen. Dadurch soll die Beratung diskreter werden und sich stärker an der individuellen Situation orientieren.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 21.09.2026  18:00 Uhr

Das 2026 aktualisierte Schweizer Abgabeprotokoll zur Notfallverhütung wurde von der Interprofessionellen Expertengruppe Notfallkontrazeption (IENK) auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet. Es ersetzt die Empfehlungen von 2021.

Insbesondere die praktische Abgabe, die Dokumentation und einzelne fachliche Empfehlungen wurden überarbeitet. Bei Anwendungsfehlern hormoneller Verhütungsmittel orientieren sich die neuen Empfehlungen an den aktuellen Vorgaben des britischen College of Sexual and Reproductive Healthcare.

Diskretere Abgabe

Die wohl auffälligste Änderung: Betroffene können einen Teil der erforderlichen Angaben selbst erfassen, beispielsweise vor dem Apothekenbesuch über die eWeb-Anwendung »eviflow«. Dadurch müssen im Beratungsgespräch weniger persönliche Fragen gestellt werden. Laut IENK soll dies die Vertraulichkeit stärken und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Begleitung ermöglichen. Das Gespräch kann sich stärker auf die individuelle Situation und die pharmazeutische Beratung konzentrieren.

Neu berücksichtigt wurden zudem aktuelle Erkenntnisse zu BMI und Körpergewicht. Bei erhöhtem BMI beziehungsweise Körpergewicht empfiehlt das begleitende Kommentardokument die Kupferspirale als Methode erster Wahl. Kommt diese nicht infrage, soll Ulipristalacetat (UPA) eingesetzt werden.

Normale Pille vergessen? Dann Levonorgestrel

Deutlich überarbeitet wurden die Empfehlungen bei vergessener hormoneller Verhütung. Bevorzugt soll in solchen Situationen nun Levonorgestrel (LNG) eingesetzt werden. Hintergrund sind mögliche Wechselwirkungen zwischen den Gestagenen der regulären Verhütung und UPA. Letzteres soll nur eingesetzt werden, wenn LNG nicht geeignet ist. In diesem Fall wird empfohlen, die hormonelle Verhütung nach der Einnahme von UPA für fünf Tage zu pausieren.

Standardisierte Flussdiagramme unterstützen nun die Risikoabschätzung. Ein weiterer zentraler Punkt ist die präzisierte Definition einer »ausgelassenen« hormonellen Verhütung und deren Folgen für die Wahl der Notfallverhütung.

Stärkung der Beratung

Die Empfehlungen stellen auch klar, dass hormonelle Notfallverhütung grundsätzlich auch dann abgegeben werden kann, wenn früher im Zyklus bereits ungeschützter Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Die Risikoabschätzung wurde vereinfacht und stärker an der aktuellen Evidenz ausgerichtet. Für Stillende entfällt sowohl nach LNG als auch nach UPA die bisher empfohlene Stillpause.

Vor allem organisatorische Neuerungen wie der selbstausfüllbare Anamnesebogen und die digitale Datenerfassung sollen den Zugang zur Notfallverhütung niederschwelliger und diskreter machen. Gleichzeitig unterstützen aktualisierte wissenschaftliche Empfehlungen und neue Flussdiagramme die Beratung in der Apotheke und rücken diese noch stärker in den Mittelpunkt.

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