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Pharmazeutische Dienstleistung
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Beratung nach Organtransplantation

Patienten nach Organtransplantation müssen viele Arzneimittel einnehmen und dies über einen langen Zeitraum. Wie können die regelmäßigen Besuche in der Apotheke genutzt werden für die pharmazeutische Dienstleistung (pDL) der Beratung nach Organtransplantation?
AutorKontaktRebecca Bisplinghoff
Datum 24.07.2025  09:00 Uhr

Überblick über Immunsuppressiva

Das übergeordnete Ziel jeder immunsuppressiven Therapie ist die Verhinderung der Abstoßung des transplantierten Organs. Dies geschieht durch die Reduktion der Funktion von Immunzellen, zum Beispiel T-Lymphozyten. Auch die Vermehrung der Immunzellen sowie die Produktion von Botenstoffen, die an der Entzündung beteiligt sind, werden verringert (Grafik).

Pharmakologisch werden rezeptorabhängige Prozesse häufig durch Rezeptorantagonisten ausgeschaltet. Dies ist zum einen wegen der großen Vielfalt der Lymphozyten mit unterschiedlichen spezifischen Antigenrezeptoren nicht anwendbar. Zum anderen ist es in der Regel nicht möglich, die an einer Immunreaktion beteiligten T-Zellen direkt zu identifizieren und gezielt zu eliminieren.

Für eine Immunsuppression bedeutet dies, dass Lymphozyten antigenunspezifisch ausgeschaltet werden müssen. Dies stellt immer einen schwerwiegenden Eingriff dar, weil neben der erwünschten Wirkung wie dem Erhalt eines Transplantats unvermeidlich auch lebensnotwendige Abwehrleistungen betroffen sind. Die Folge kann eine verminderte Abwehr von Infektionen mit im Extremfall tödlichem Ausgang sein.

Generell hemmen alle Immunsuppressiva die Zellproliferation der Lymphozyten. Die Substanzen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirkung auf unterschiedliche Lymphozyten. Zum Beispiel wirken die zytostatischen Substanzen eher generalisiert auf alle Lymphozyten-bildenden Vorgänge. Dagegen lassen Substanzen wie Mycophenolsäure oder Everolimus die Bildung reifer Lymphozyten aus Stammzellen weitgehend unbeeinflusst.

Je spezifischer die Angriffe auf die kritischen Lymphozyten sind, umso zielgerichteter ist die Therapie. Aber es ist eben die Herausforderung, die Eigenschaften der spezifischen Lymphozyten zu adressieren. Mit größter Selektivität greift hier der Anti-IL-2-Rezeptor-Antikörper Basiliximab ein, da der IL-2-Rezeptor nur auf aktivierten T-Lymphozyten verstärkt exprimiert wird.

Generell kann man die Immunsuppressiva in verschiedene Klassen einteilen:

  • Am bekanntesten sind die Calcineurin-Inhibitoren Tacrolimus und Ciclosporin. Sie hemmen die Bildung zytotoxischer Lymphozyten.
  • Die mTOR-Inhibitoren Everolimus und Sirolimus hemmen unter anderem die Proteinsynthese und die Zellproliferation.
  • Mycophenolsäure und sein Prodrug Mycophenolatmofetil wirken als IMPDH-Inhibitoren (IMPDH: Inosinmonophosphat-Dehydrogenasen) auf die Synthese von Guanosin und hemmen damit in der Folge die Proliferation von B- und T-Lymphozyten.
  • Im stationären Umfeld spielen noch der Antikörper Belatacept und Antithymozyten-Globuline eine Rolle.
  • Ein wichtiger Kombinationspartner ist Prednisolon. Es unterdrückt ebenfalls die Aktivität von Lymphozyten, was die Immunantwort schwächt.

Für alle Immunsuppressiva ist es enorm wichtig, dass sie im exakten zeitlichen Abstand eingenommen werden. Schon eine ausgelassene Dosis kann Abstoßungssymptome hervorrufen. Bei einer Nierentransplantation können das zum Beispiel unspezifische Symptome wie Fieber oder Unwohlsein sein, aber auch eine verringerte Urinausscheidung.

Auch die Wahl des konkreten Präparats spielt aufgrund der unterschiedlicher Galeniken eine wichtige Rolle. Daher hat der gemeinsame Bundesausschuss in der sogenannten Sub-stitutionsausschlussliste (Teil B der Anlage VII zur Arzneimittel-Richtlinie) retardiertes Tacrolimus und Ciclosporin-Präparate aufgeführt.

Auch die Zielbereiche der Arzneistoffspiegel sind individuell. Sie hängen von individuellen Faktoren und dem Abstand zur Transplantation ab.

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