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Pharmazeutische Dienstleistung
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Beratung nach Organtransplantation

Patienten nach Organtransplantation müssen viele Arzneimittel einnehmen und dies über einen langen Zeitraum. Wie können die regelmäßigen Besuche in der Apotheke genutzt werden für die pharmazeutische Dienstleistung (pDL) der Beratung nach Organtransplantation?
AutorKontaktRebecca Bisplinghoff
Datum 24.07.2025  09:00 Uhr

Vorgehen bei der pDL

Angesichts der Komplexität und dem Verlauf der Medikation haben die Patienten regelmäßig Anspruch auf die pDL »Pharmazeutische Betreuung von Organtransplantierten«: einmalig in den ersten sechs Monaten nach Beginn sowie bei Änderung einer Therapie. Die pDL gliedert sich in zwei Teile: das Erstgespräch bei Beginn und Therapieänderung sowie das semistrukturierte Folgegespräch zwei bis sechs Monate danach. Man kann es auch mit der pDL »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« einmal jährlich koppeln.

Beim Erstgespräch sollte der Patient neben dem Medikationsplan auch Dokumente wie Laborwerte oder Arztbriefe mitbringen. Auch OTC-Präparate sollten erwähnt werden, damit die Aufstellung aller Arzneimittel vollständig ist. Anhand eines Beispielplans (Tabelle 2) wird nun gezeigt, wie Apotheker die Medikation prüfen und das Zweitgespräch mit dem Patienten vorbereiten können.

Arzneimittel Dosierung
L-Thyroxin 75 µg 1-0-0
Tacrolimus 5 mg (Prograf®) 1-0-0
Mycophenolsäure 360 mg 2-0-2
Prednisolon 5 mg 1-0-0
Cotrimoxazol 960 mg 1-0-0 (Mo, Mi, Fr)
Valganciclovir 450 mg 1-0-0
Lercanidipin 10 mg 1-0-0
Candesartan 4 mg 1-0-0
Rosuvastatin 10 mg 0-0-1
Magnesium 100 mg 1-1-1
Amphotericin-B-Lutschtablette 1-1-1-1
Calcium 500 mg 1-1-1
Pantoprazol 40 mg 1-0-0
Tabelle 2: Beispielplan von Patient Herr Mustermann, Nierentransplantation vor vier Monaten
Wirkstoff Alte Dosierung Neue Dosierung
Cotrimoxazol 960 mg 1-0-0 (Mo, Mi, Fr) 0,5-0-0 (Mo, Mi, Fr)
Valganciclovir 450 mg 1-0-0 1-0-0 alle zwei Tage
Lercanidipin 10 mg 1-0-0 1-0-0
Rosuvastatin 10 mg 0-0-1 0-0-1
Tabelle 3: Auffälligkeiten in der Dosierung sowie erfolgte und nicht nötige Ände­rungen

Sonstige Informationen:

  • eGFR 28 ml/min, gemessen eine Woche vor der pDL;
  • Tacrolimus-Zielbereich laut Arztbrief 5 bis 8 ng/ml; letzter Spiegel 4 ng/ml;
  • Patient berichtet über Müdigkeit.

Für die Überprüfung der Medikation ist es initial wichtig, geeignete Quellen für die Unterstützung bei Dosierungs- und Interaktionsmeldungen zu kennen. Die Fachinformationen der einzelnen Präparate bietet einen ersten Anhaltspunkt. Man muss jedoch beachten, dass die Zulassungsstudien in der Regel vulnerable Patientengruppen ausschließen und es somit häufig keine validen Daten zum Beispiel für die Anpassung bei Organdysfunktionen gibt. Auch die Angaben aus üblichen Interaktionsdatenbanken müssen kritisch betrachtet werden, denn die Bewertung der klinischen Relevanz ist enorm wichtig. Man möchte weder den Patienten noch die behandelnden Ärzte mit »over-alerting« (also der Überalarmierung) verunsichern und das konkrete Management einer Interaktion muss gut überlegt sein. Die Umsetzbarkeit im Alltag ist essenziell, denn die Patienten nehmen die Medikamente ja nicht nur für wenige Monate ein.

Als gute und frei verfügbare Informationsquellen haben sich einige Klassiker etabliert. Das Portal »Dosing« der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie der Uniklinik Heidelberg oder das »Renal Drug Handbook« bieten Informationen für die Anpassung bei Nierenfunktionsstörungen, die über die Fachinformation hinausgehen. Hier muss man den Off-Label-Use gegen den aktuellen wissenschaftlichen Stand abwägen.

Die Bewertung von Interaktionen ist noch schwieriger. Datenbanken liefern immer nur einen Anhaltspunkt und man sollte immer mindestens zwei verschiedene Quellen befragen. Neben der ABDA-Interaktionsdatenbank kann man frei zum Beispiel auf Drugs.com oder den Drug Interaction Checker von Medscape zugreifen.

Konkrete Dosierungen und sonstige Empfehlungen findet man für Patienten nach Nierentransplantation im TX-Manual der Arbeitsgemeinschaft der Nierentransplantationszentren NRW in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie und der Deutschen Transplantationsgesellschaft.

Generell ist eine kollegiale Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker notwendig und sinnvoll, um die Patienten am sichersten durch die Zeit nach der Transplantation und weit darüber hinaus zu begleiten. Auffälligkeiten sollten im kollegialen Dialog besprochen und gelöst werden, damit der Patient langfristig profitiert.

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