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Neue Leitlinie

Bei Pankreatitis ganz auf Alkohol verzichten

Gallensteine, Alkohol, Medikamente: Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann viele Ursachen haben. Wichtig sind eine möglichst frühe Diagnose, die passende Therapie je nach Art der Pankreatitis und vor allem Alkoholverzicht.
Christiane Berg
02.11.2021  17:30 Uhr

Wer plötzlich einsetzende, außerordentlich starke Oberbauchschmerzen verspürt, sollte schnell einen Arzt aufsuchen. Denn dahinter kann eine entzündete Bauchspeicheldrüse stecken. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Verdauungsprobleme und Fieber. »Obwohl es sich um eine gutartige Erkrankung handelt, die in der Regel binnen weniger Wochen überstanden ist, sterben bei einem schweren Verlauf bis zu 15 Prozent der Betroffenen an einem Organversagen«, warnt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) anlässlich der neuen S3-Leitlinie Pankreatitis.

»Entscheidend für den Behandlungserfolg ist die frühzeitige Differentialdiagnose und Einschätzung des Schweregrades der Erkrankung, um so zügig die passende Therapie einzuleiten«, sagt Professor Dr. Markus M. Lerch vom LMU Klinikum München. Der häufigste gesicherte Risikofaktor für eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse, so Lerch, ist neben Gallensteinen ein übermäßiger Alkoholkonsum, wobei die Pathogenese nicht geklärt ist und weitere Faktoren hinzu zu kommen scheinen.  Es wird eine steigende Inzidenz in direkter Korrelation zum Alkoholkonsum beobachtet. Leitliniengemäß ist eine genetische Prädisposition nicht auszuschließen.

Circa 10 Prozent der akuten Pankreatitiden sind mit Hypertriglyceridämien vergesellschaftet, die zu Verengungen in den Gallengängen und so zu weiteren Komplikationen führen können. Als seltenere Ursachen einer akuten Pankreatitis werden Infektionen unter anderem mit Mumps-, Coxsackie-B-, Hepatitis A- und -E sowie Zytomegalie-Viren beziehungsweise chronisch-entzündliche Darmerkrankungen diskutiert.

Bei etwa 15 Prozent der Patienten lassen sich keine Ursachen finden (idiopathische Pankreatitis). Vermutet wird, dass nicht zuletzt das metabolische Syndrom das Risiko für einen schweren oder letalen Krankheitsverlauf erhöht. Dies wird von den Autoren der Leitlinie vor allem auf die inflammatorische Aktivität des viszeralen Fettgewebes zurückgeführt.

Therapie richtet sich nach Art der Pankreatitis

Bei akuter Pankreatitis sei zumeist eine stationäre Therapie angezeigt, wobei nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Deutschland aufgrund einer plötzlichen Bauchspeicheldrüsenentzündung jährlich etwa 55.000 Menschen in der Klinik behandelt werden.

Unmittelbar nach Diagnosesicherung durch Ultraschall oder bildgebende Verfahren wie CT und MR-Cholangiopankreatikographie (MRCP) sollte leitliniengemäß eine kontrollierte Volumentherapie vorwiegend mit Ringer-Laktat-Lösung eingeleitet werden. Bei starken Schmerzen seien Opioide und hier vorzugsweise Buprenorphin und Pethidin indiziert. Auf Intensivstationen könne die Periduralanästhesie angewandt werden. Gegebenenfalls könnten operative Therapiekonzepte unumgänglich werden.

Patienten mit einer alkohol-induzierten akuten Pankreatitis neigen zu einem erhöhten Risiko für endokrine und exokrine Dysfunktionen, Rezidive und Chronifizierungen. Dabei scheint die Menge des konsumierten Alkohols in einer direkten Dosis-Wirkungsbeziehung zu stehen und Einfluss auch auf die Zahl, Abstände und Schwere der Attacken zu nehmen.

In Folge rezidivierender Entzündungsschübe könne es zu einer chronischen Pankreatitis kommen, bei der das Pankreasparenchym durch fibrotisches Bindegewebe ersetzt wird. Dieses geht mit einem fortschreitenden Verlust der exokrinen und endokrinen Pankreasfunktion sowie charakteristischen Komplikationen wie zum Beispiel Pseudozysten, Pankreasgang-Stenosen, Duodenal-Stenosen, Gefäßkomplikationen, Kompressionen der Gallenwege, Mangelernährung und gleichermaßen Schmerzsyndromen einer. Die chronische Pankreatitis stellt einen Risikofaktor für das Pankreaskarzinom dar.

Neben der zusätzlichen Therapie mit Verdauungsenzymen, so Lerch, ist dem Patienten im Falle chronischer Erscheinungsformen zur Steigerung des BMI mittels Zusatznahrung gemäß ernährungsmedizinischer Vorgaben bei gleichzeitiger Meidung von Spirituosen in jeder Form zu raten. Ob Co- oder Hauptfaktor: »Fortgesetzter Alkoholabusus beeinflusst die Prognose negativ. Wir empfehlen daher bei einer Pankreatitis den strikten Verzicht. Selbst kleine Mengen Alkohol können unter Umständen schaden«, warnt Lerch.

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