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AvP-Insolvenz

Becker: Die Landesapothekerverbände stehen bereit

Die Insolvenz des Apotheken-Rechenzentrums beschäftigt nun auch die Standespolitik. Am gestrigen Montag hatten sich bereits einige Verbände mit Hilfsangeboten an betroffene Apotheker gerichtet. Nun hat sich DAV-Chef Fritz Becker zu Wort gemeldet. Becker fordert eine schnellstmögliche Aufklärung der Angelegenheit.
PZ
22.09.2020  08:30 Uhr

Das privat geführte Apotheken-Rechenzentrum AvP steckt tief in der Krise. In der vergangenen Woche hatte die Finanzaufsicht Bafin einen Sonderbeauftragten ins Unternehmen entsendet, nur einen Tag später eröffnete der Bafin-Beauftragte Ralf R. Bauer das Insolvenzverfahren. Noch immer ist völlig unklar, wann und wie die Apotheken an die noch ausstehenden Zahlungen kommen sollen.

Doch der gesamte Markt ist alarmiert. Während die anderen Rechenzentren um neue Kunden buhlen, bemühen sich die Großhändler und die Apobank um Hilfsangebote für die betroffenen Apotheker. Am gestrigen Montag meldeten sich dann auch die Landesapothekerverbände zu Wort. Der Verband Sachsen will gemeinsam mit anderen Verbänden einen auf Insolvenzrecht spezialisierten Fachanwalt beauftragen, der Verband Nordrhein will die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen prüfen und in Baden-Württemberg wird den Apothekern die fristlose Kündigung empfohlen.

Becker: Wir haben großes Verständnis für die Apotheker

Am gestrigen Montagabend meldete sich dann auch DAV-Chef Fritz Becker zu Wort. Becker sagte in einer Mitteilung: »Viele Apotheker sehen sich mit der existenziellen Bedrohung konfrontiert, dass sie das Geld von den gesetzlichen Krankenkassen für abgerechnete Rezepte entweder gar nicht oder nur teilweise oder verspätet erhalten. Für diese Sorge haben wir großes Verständnis, denn die Monatsabrechnung einer durchschnittlichen Apotheke mit allen Krankenkassen kann schnell eine sechsstellige Euro-Summe sein. Wenn die Apotheke ihr Geld nicht erhält, kann der Cash-Flow empfindlich gestört werden, denn die Großhändler und Hersteller müssen für ihre vorherigen Warenlieferungen bezahlt werden.«

Der DAV-Chef verlangt von den Behörden nun eine schnelle Aufklärung. Die Finanzaufsichtsbehörde und der Insolvenzverwalter müssten aufklären, was genau passiert ist und wann die Apotheken ihr Geld bekommen, so Becker. Und weiter: »Die Landesapothekerverbände stehen für ihre Mitglieder bereit, um ihnen Hinweise und Ratschläge zu geben, wie sie im Einzelfall mit einem solchen betriebswirtschaftlichen Notfall umgehen können und welche Handlungsoptionen bestehen.«

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