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Insolvenzverfahren

AvP: Apothekerverbände schalten sich ein

Das Insolvenzverfahren des Apotheken-Rechenzentrums AvP führt zu erheblichen finanziellen Nöten bei den betroffenen Apothekern. Der Sächsische Apothekerverband sammelt aktuell Landesapothekerverbände um sich, um gemeinsam einen Fachanwalt für Insolvenzrecht zu beauftragen. Das Ziel: Die rasche Auszahlung der ausstehenden Beträge. Und: Der Apothekerverband Nordrhein prüft die Anspruchnahme staatlicher Hilfen.
Charlotte Kurz
21.09.2020  12:24 Uhr

Die Aufnahme des Insolvenzverfahrens beim Apotheken-Rechenzentrum AvP sorgte dafür, dass die betroffenen Apotheker von einem auf den anderen Tag finanzielle Sorgen oder sogar existenzielle Ängste haben und teils nicht wissen, wie sie ihre Großhandelsrechnungen in den kommenden Tagen bezahlen sollen. Der Großhandel ist sich dieser schwierigen Situation zwar bewusst und gewährt in Absprache mit den Apotheken teilweise Zahlungsaufschübe. Beistand wünschen sich die Apotheker aber auch von rechtlicher und politischer Seite.

Rechtlichen Beistand möchten jetzt einige Landesapothekerverbände den betroffenen Apotheken zusichern. Unter anderem hat der Sächsische Apothekerverband eine Initiative gestartet. Eine Verbandssprecherin erklärte gegenüber der PZ, dass man alle Landesverbände angeschrieben hatte, »um das Interesse an einer gemeinsamen Beauftragung eines Fachanwaltes für Insolvenzrecht abzufragen.« Demnach schließe sich aktuell der Großteil der Landesapothekerverbände der Initiative an. Der LAV Sachsen beauftragte die Kanzlei Dr. Weiland und Rechtsanwälte aus Hamburg, um mit dem Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Jan-Philipp Hoos in Kontakt zu treten. Das Ziel der gebündelten Rechtsvertretung: Die rasche Auszahlung der fehlenden Beträge, die die Apotheken aktuell in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bringen.

AVNR: Besonders viele Apotheker in Nordrhein betroffen

Auch der Apothekerverband Nordrhein (AVNR) erklärte, dass man mit Lieferanten, Banken und Rechtsexperten im Dialog stehe, »um an sofort wirksamen Hilfsmaßnahmen zu arbeiten.« Aufgrund des Sitzes der AvP in Düsseldorf geht der Verband davon aus, dass »überproportional viele Mitglieder unseres Verbandes von der Insolvenz der AvP Deutschland GmBH betroffen sind.«

Daher erhalte der Verband viele Nachfragen betroffener Apotheken und führt mit diesen Einzelgespräche zur Frage, wie es jetzt weitergehen kann. Der AVNR betonte ebenfalls, dass der Kontakt mit dem Insolvenzverwalter bei AvP erste Priorität habe. Für diesen Dialog beauftragte der AVNR die Düsseldorfer Anwaltskanzlei Glade Michel Wirtz. »Zeitnah haben wir hierzu einen Gesprächstermin mit dem Insolvenzverwalter vereinbart«, erklärte Thomas Preis, AVNR-Vorsitzender, gegenüber der PZ. Zudem betonte er: »Uns ist es dabei besonders wichtig, dass der Berufsstand möglichst koordiniert agiert.« 

Der Verband sieht es als notwendig an, dass das Insolvenzverfahren als geordneter Prozess durchgeführt wird. »Insbesondere die rechtlichen Besonderheiten für die Apotheken, als unverzichtbare Institutionen in unserem Gesundheitssystem, müssen dabei angemessen berücksichtigt werden. Gleichzeitig muss aber auch Licht in die derzeit ausgesprochen unklare Situation der Mitglieder als Kunden der AvP Deutschland GmbH gebracht werden«, heißt es in einem Infoschreiben des Verbands.

Weiterhin erklärt der AVNR, dass er aktuell Möglichkeiten prüft, ob die betroffenen Apotheker eine staatliche Bürgschaft erhalten könnten. Auch die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) fordert einen Schutzschirm für die betroffenen Apotheken. »Die flächendeckende Versorgung der Menschen mit Arzneimitteln darf durch die Insolvenz von AvP auf keinen Fall gefährdet werden« heißt es von Seiten der Kammer. Zwar könne die AKNR im Einzelfall nicht tätig werden, aber verspricht auf politischer Ebene intensive Gespräche zu führen und die zuständigen Stellen, wie etwa die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), zu unterstützen.

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