| Sven Siebenand |
| 31.05.2026 14:25 Uhr |
Der Präsident der Bundesapothekerkammer, Dr. Armin Hoffmann, eröffnete den Fortbildungskongress Pharmacon Meran mit einer politischen Rede. / © PZ/Alois Müller
Mit Blick auf die geplante Anhebung des Apothekenhonorars machte Hoffmann deutlich, dass die vorgesehene Erhöhung des Fixums zwar einen wichtigen Schritt darstelle, sie werde jedoch durch die Erhöhung des Apothekenabschlags und das geplante Stufenmodell teilweise relativiert. Die Apothekerschaft werde deshalb weiterhin für eine auskömmliche und regelmäßig angepasste Honorierung eintreten. Diese sei Voraussetzung dafür, den gesetzlichen Versorgungsauftrag dauerhaft erfüllen zu können.
Die aktuelle Diskussion um die Honorierung und die Weiterentwicklung der apothekerlichen Leistungen ist für den BAK-Präsidenten aber weit mehr als eine Debatte über Zahlen, Zuschläge oder Verordnungen. Es gehe um Anerkennung, Verantwortung und die Zukunft des Heilberufs. Deshalb warb Hoffmann dafür, die politischen Entwicklungen nicht allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. »Die Politik war noch nie so offen, mit Blick auf die gesellschaftliche Situation und das enge finanzielle Korsett über Lösungen zu sprechen. Noch nie war pharmazeutische Expertise so gefragt wie heute.«
Traditionell beginnt der Fortbildungskongress Pharmacon in Meran mit einer Rede des BAK-Präsidenten. / © PZ/Alois Müller
Als Beispiel nannte Hoffmann das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Zahlreiche Vorschläge der Apothekerschaft hätten Eingang in die politischen Planungen gefunden. Darüber hinaus seien weitere Leistungen vorgesehen, etwa die venöse Blutabnahme in Apotheken. Dies zeige das Vertrauen der Politik in die fachliche Kompetenz des Berufsstandes.
Hoffmann betonte, dass sich die Apotheken zu Zentren der Primärversorgung weiterentwickeln sollten. Die Digitalisierung könne dabei eine zentrale Rolle spielen. Elektronische Patientenakte, E-Rezept, Telepharmazie und assistierte Telemedizin eröffneten neue Möglichkeiten für Arzneimitteltherapiesicherheit, Prävention und Patientenbegleitung. Gleichzeitig müsse die interprofessionelle und sektorenübergreifende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen weiter ausgebaut werden.
Auch die Qualifizierung der Berufsangehörigen thematisierte der BAK-Präsident in seiner Rede. Hoffmann sprach sich für die Novellierung der Approbationsordnung aus. Die Ausbildung müsse stärker an den tatsächlichen Anforderungen der Berufspraxis ausgerichtet werden. Darüber hinaus kündigte er Diskussionen über eine Nachweispflicht in der Fortbildung an. Die kontinuierliche fachliche Weiterentwicklung sei auch angesichts neuer Aufgaben und erweiterter Kompetenzen unverzichtbar. Ferner informierte Hoffmann, dass die BAK eine Grundsatzentscheidung getroffen habe, eine fachliche Weiterqualifizierung für Pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten (PTA) zu entwickeln. Damit solle sowohl die Attraktivität des Berufs gesteigert als auch die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Apotheken gestärkt werden.
Ein weiteres zentrales Anliegen Hoffmanns ist die Nachwuchsgewinnung. Pharmazeutische Berufe müssten jungen Menschen wieder stärker als moderne, anspruchsvolle und gesellschaftlich relevante Berufe vermittelt werden. Dafür seien attraktive Arbeitsbedingungen, flexible Beschäftigungsmodelle und eine »positive Erzählung« über die pharmazeutischen Berufe notwendig. »Zu oft sprechen wir nur über Probleme«, sagte Hoffmann. Dabei böten die Berufe Sinn, Verantwortung und Zukunftsperspektiven.
Abschließend warb der BAK-Präsident für ein stärkeres Mitwirken der Apothekerschaft an gesundheitspolitischen Entwicklungen. Die Apotheke sei unverzichtbarer Bestandteil der Arzneimittelversorgung und müsse ihre Rolle aktiv gestalten. »Der Pharmadialog bietet die Chance zur Positionierung der Pharmazie.«
Trotz aller Herausforderungen zeigte sich Hoffmann optimistisch. Die Zukunft der Apotheke liege nicht allein im Produkt, sondern in der pharmazeutischen Dienstleistung. »Wenn wir diese Chance mutig nutzen, dann wird die Apotheke nicht geschwächt aus dem Wandel hervorgehen – sondern gestärkt.«