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Omikron-Untervarianten

BA.1 und BA.2 wohl ähnlich pathogen

Erste Daten aus Tierversuchen hatten angedeutet, dass die Omikron-Untervariante BA.2 ansteckender und wohl auch pathogener sein könnte als BA.1. Diesbezüglich kommt aus Südafrika nun eine gewisse Entwarnung.
Theo Dingermann
22.02.2022  17:00 Uhr

Die Untervariante BA.2 der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 verdrängt mittlerweile mehr und mehr die bislang dominante Untervariante BA.1. Die beiden Untervarianten sind strukturell verschieden, wie vergangene Woche ein japanisches Forscherteam um Daichi Yamasoba von der Universität Tokio in einem Preprint berichtete. Die Forscher mutmaßten, dass BA.2 zudem pathogener sein könnte als BA.1, und diese Aussage in erster Linie auf Untersuchungen mit Hamstern und Zellkulturen gestützt.

Diese Daten werden jetzt durch eine Arbeit aus Südafrika relativiert. Die Autoren der ebenfalls als Preprint auf »MedRxiv« erschienenen Veröffentlichung um Nicole Wolter vom National Health Laboratory Service in Johannesburg stellen darin eine Auswertung epidemiologischer Daten vor. Die Forscher führten nationale Covid-19-Fallzahlen, Ergebnisse von SARS-CoV-2-Labortests und Covid-19-Hospitalisierungen zusammen und analysierten diese. Dabei wurde der Schweregrad der Erkrankung anhand multivariabler logistischer Regressionsmodelle bewertet, um diese Auswertung dann den Patienten zuzuordnen, die sich zwischen Anfang Dezember 2021 und Ende Januar 2022 entweder mit BA.1 oder BA.2 infiziert hatten.

Ähnliches klinisches Profil

Der Anteil der BA.2-Infektionen stieg im Untersuchungszeitraum von 3 Prozent (931 von 31.271 Infektionen) auf 80 Prozent (2425 von 3031 Infektionen) an. Die Wahrscheinlichkeit, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, war bei BA.1 und BA.2 gleich hoch (bereinigte Odds Ratio 0,96). Auch ließ sich für hospitalisierte Patienten keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf ableiten, wenn sich diese mit BA.2 infiziert hatten (bereinigte Odds Ratio 0,91). So kommt das südafrikanische Forscherteam zu dem Schluss, dass die Omikron-Untervariante BA.2 zwar in einigen Fällen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber BA.1 haben könnte, andererseits die epidemiologischen Daten zumindest bisher keinerlei Anhaltspunkte dafür lieferten, dass BA.2 sich hinsichtlich des klinischen Profils der verursachten Erkrankung von BA.1 unterscheidet.

Die Autoren weisen aber darauf hin, dass sie sich bei ihrer Untersuchung ausschließlich auf Proben beschränkt hätten, die durch einen PCR-Nachweis entweder der BA.1- oder der BA.2-Gruppe zugeordnet wurden. Das könnte zu einer gewissen geografischen Verzerrung der Daten geführt haben. Zudem könnte auch ein sehr kleiner Teil an Nicht-Omikron-Varianten mitanalysiert worden sein, da die PCR-Diagnostik hier an ihre Grenzen stößt. Dies sollte die Ergebnisse aus Sicht der Forscher allerdings nicht signifikant verfälscht haben, da im Untersuchungszeitraum weniger als 2 Prozent Nicht-Omikron-Varianten in Südafrika zirkulierten. Schließlich heben die Autoren auch noch die bekannte Tatsache hervor, dass Südafrika global betrachtet wegen des recht hohen Durchseuchungsgrads eine gewisse Sonderstellung einnimmt.

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