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Prognose zu Krankenkassen
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Ausgaben wachsen weiter stärker als Einnahmen 

Laut einer neuen Analyse wachsen die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung weiter deutlich stärker als die Einnahmen. Vielen Versicherten drohen damit erneut steigende Zusatzbeiträge. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 15.05.2026  17:30 Uhr

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat seit ihrem Amtsantritt immer wieder versprochen, dass sie einen weiteren Anstieg der Krankenkassenbeiträge unbedingt verhindern will. Im vergangenen Jahr hat sie daher gegen viel Kritik die Streichung der Meistbegünstigungsklausel für Krankenhäuser durchgesetzt. Trotzdem mussten 42 von 93 gesetzlichen Krankenkassen zum Jahreswechsel 2025/26 ihre Zusatzbeiträge erhöhen

In diesem Jahr müssen sich viele Versicherte offenbar erneut auf Mehrkosten einstellen. Laut einer Analyse des Krankenkassen-Dienstleisters Bitmarck, über die die »Rheinische Post« exklusiv berichtete, gibt es weiterhin eine »ungebrochene Ausgabendynamik«. Die Expertinnen und Experten erwarten allein für dieses Jahr Mehrausgaben von 7 Prozent. Die Einnahmen der Kassen sollen dagegen nur um 6 Prozent steigen.

Der Fehlbetrag im Gesundheitsfond dürfte damit im Jahr 2026 von 52 Milliarden Euro auf 59 Milliarden Euro steigen. Um dieses Defizit auszugleichen, wäre allein in diesem Jahr ein Zusatzbeitrag von 3 Prozent nötig. Schon jetzt erheben die meisten Kassen laut Bitmarck einen Zusatzbeitrag von gut 3,1 Prozent. 

Viele Kassen bleiben unter Mindestreserve 

Aktuell verfügen knapp 60 Prozent der Krankenkassen nicht über die vorgeschriebene Mindestreserve von 20 Prozent einer Monatsausgabe. Eigentlich sollen die Kassen ihre Reserven mit den angehobenen Zusatzbeiträgen wieder auffüllen. Doch die Bitmarck-Analysten gehen davon aus, dass jede dritte Kasse auch zum Jahreswechsel nicht über die Mindestreserve verfügen wird. Die Zusatzbeiträge könnten dann noch einmal steigen. 

Die »Rheinische Post« schreibt, dass ein belastbarer Ausblick für das Jahr 2027 und darüber hinaus laut den Analysten nicht möglich ist. Noch sei unklar, wie das geplante GKV-Spargesetz genau aussieht und welche Effekte die Maßnahmen entfalten werden. 

Der aktuelle Gesetzentwurf sieht schmerzhafte Einschnitte vor, die der Ministerin viel Kritik aus dem Gesundheitswesen eingebracht haben. Die Apotheken müssen sich beispielsweise auf einen höheren Kassenabschlag einstellen. Das Gesetz soll noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Doch die meisten Maßnahmen, über die aktuell viel gestritten wird, werden frühestens 2027 in Kraft treten. 

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