Pharmazeutische Zeitung online
Entlassmanagement

G-BA beschließt Umsetzungsregeln

22.12.2015  09:13 Uhr

Von Christina Müller / Klinikärzte dürfen künftig ihren Patienten bei der Entlassung auch Medikamente verschreiben. Wie das genau aussehen soll, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) nun in einer entsprechenden Änderung der Arzneimittelrichtlinie festgelegt. Die vorab geäußerte Kritik der Apotheker an den Regelungen blieb dabei aber unberücksichtigt.

Klinikärzte dürfen in Zukunft ihren Patienten bei der Entlassung aus dem Krankenhaus Arznei- und Hilfsmittel für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen verordnen. Der G-BA hat letzte Woche in Berlin die weitere Ausgestaltung des Verordnungsrechts beschlossen und damit die Vorgaben des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes fristgerecht umgesetzt. 

 

Mit der Ergänzung der Richtlinie will der G-BA Versorgungslücken schließen, die bislang bei Krankenhausentlassungen regelmäßig aufgetreten waren. Der Beschlu­ss verlangt jedoch vor der Ausstellung eines Rezepts eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durch die Klinik: Diese habe »zu prüfen, ob für die Versorgung der oder des Versicherten mit Arzneimitteln unmittelbar nach der Entlassung eine Verordnung erforderlich ist«.

 

Zudem müssen Krankenhausärzte laut G-BA auch die Möglichkeit einer Mitgabe von Medikamenten in Erwägung ziehen. Diese sei »insbesondere dann vorrangig, wenn die medikamentöse Behandlung durch die Reichweite der mitgegebenen Arzneimittel abgeschlossen werden kann«. Demnach müssen Kliniken jeden Einzelfall prüfen und individuelle Entscheidungen treffen.

 

Die ABDA hatte den Entwurf bereits im Oktober kritisiert. Auf Grundlage der nun beschlossenen Regelungen könnten Ärzte nicht rechtssicher handeln. »Die daraus resultierende Unsicherheit wird den Versorgungsablauf empfindlich stören«, hatte die ABDA in einer Stellungnahme geschrieben.

 

Vorschlag der Apotheker

 

Der Richtlinie zufolge dürfen Klinikärzte stets nur eine Packung mit dem kleinsten Größenkennzeichen verschreiben. Sollte es das Präparat nicht als N1 geben, können sie auf eine Packung ausweichen, deren Größe die einer N1-Packung nicht überschreitet. Diese Vorgabe ist laut ABDA unrealistisch, da sie »Kenntnisse bei den verordnenden Ärzten über die rechtlichen Rahmenbedingungen voraussetzt, die nicht gegeben sind«. Den Vorschlag der Apotheker, Ärzte sollten in diesem Fall einfach eine Packung mit dem nächstgrößten Kennzeichen verordnen dürfen, hatte der G-BA nicht aufgegriffen.

 

Der Beschlusstext wird nun dem Bundesministerium für Gesundheit vorgelegt. Sollte das Ministerium mit den Regelungen einverstanden sein, treten sie nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. /

Mehr von Avoxa