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Befragung

Stellenwert von Silymarin in der Prävention von Leberschäden

14.12.2009  14:34 Uhr

Von Simone Nüdling1, Harriet Palissa2, Maja Konik3, Bernd Sterner4, Ramona Bluhm2, Silke Korte2 / Der Apotheker nimmt eine zentrale Rolle bei der Aufklärung über die Symptomatik und Prävention von arzneimittelinduzierten Leberschäden ein. Vor diesem Hintergrund initiierte der Generikahersteller CT Arzneimittel GmbH eine apothekenbasierte Erhebung bei Silymarin-CT-Anwendern, die potenziell leberschädigende Medikamente einnahmen. Ziel war es, Hinweise auf die Notwendigkeit von unterstützenden Maßnahmen zur Patientenaufklärung und Prävention arzneimittelbedingter Leberschädigungen zu erhalten.

PZ-Originalia

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Die Leber stellt als größtes und wichtigstes Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers das Zentrum für alle Biotransformationsprozesse dar, die für den Abbau und die Elimination von Arzneimitteln und Giftstoffen im menschlichen Köper verantwortlich sind. Die Entgiftungsleistung der Leber wird unter anderem durch Oxidationsprozesse mithilfe zahlreicher Cytochrom-P450-Enzymen in den Hepatozyten erreicht. Eine dauerhaft hohe Belastung der Leber durch Arzneimittel oder andere exogene Substanzen kann dabei oxidativen Stress auslösen und durch die Bildung von freien Radikalen sowie toxischen Metaboliten zur Schädigung oder schlimmstenfalls zum Absterben der Hepatozyten führen. Das Spektrum der durch Arzneimittel induzierten Schädigungen der Leber kann dabei von erhöhten Leberwerten bis hin zum akuten Leberversagen reichen (1). Welchen Stellenwert Silymarin, ein aus Mariendistelfrüchten gewonnener Wirkstoffkomplex, zur Bewahrung der Leber vor schädigenden Einflüssen hat, war daher Ziel einer von CT Arzneimittel initiierten apothekenbasierten Erhebung.

Bitte beachten Sie

Dies ist ein Beitrag aus unserem Archiv. Aktuelle Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Themenseite "Silymarin".

Silymarin besteht aus einem Gemisch von vier Flavonolignan-Isomeren, wobei Silibinin die biologisch aktivste Form und damit die Leitsubstanz darstellt (3). Die antihepatotoxische Wirkung des pflanzlichen Wirkstoffkomplexes Silymarin beruht im Wesentlichen auf der Stabilisierung der Zellmembran und auf der Stimulation der Regenerationsfähigkeit der Hepatozyten. Silymarin erschwert das Eindringen von Toxinen und verhindert den Verlust funktioneller Zellbestandteile, wie Transaminasen, indem Oxidations- und Transportprozesse in der Zellmembran vermindert werden. Darüber hinaus stimuliert Silymarin die Proteinbiosynthese und regt die Zellregeneration sowie die Bildung neuer Hepatozyten an. Zusätzlich wurden für Silymarin auch antiinflammatorische, antikanzerogene und antifibrotische Effekte nachgewiesen (3).

 

Eine Vielzahl von verschreibungsfreien Silymarin-haltigen Zubereitungen steht im deutschen Arzneimittelmarkt zur Verfügung. Mit dem Ausschluss der OTC Arzneimittel aus dem Leistungskatalog der GKV wurde die Aufgabe der Beratung um die Notwendigkeit der Anwendung leberschützender Maßnahmen in die Verantwortung des Apothekers gegeben. Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, Aufklärung und Prävention von arzneimittelbedingten Leberschädigungen zu verbessern und den Bedarf für leberschützende therapeutische Maßnahmen zu erheben.

Der Berliner Generikahersteller CT Arzneimittel GmbH hat daher eine apothekenbasierte Erhebung bei Silymarin-CT-Anwendern (Silymarin-CT Hartkapseln und Silymarin forte-CT Hartkapseln), die potenziell leberschädigende Medikamente einnahmen, im gesamten Bundesgebiet durchgeführt. Neben demographischen und anamnestischen Daten wurden im Rahmen dieser Erhebung Daten zum Wissensstand und zur Informationsquelle der Patienten über die Symptomatik und Prävention von Leberschädigungen bei Anwendung von Arzneimitteln mit potenziell leberschädigender Wirkung erhoben.

 

Apothekenbasierte Befragung

 

An der Erhebung nahmen 433 Apotheken teil. Anhand von standardisierten Fragebögen wurden im Zeitraum vom 1. April bis 31. Dezember 2008 Daten von Silymarin-CT-Anwendern erfasst, die gleichzeitig mindestens ein potenziell leberschädigendes Medikament der folgenden Arzeistoffgruppen einnahmen: Betablocker, ACE-Hemmer, Calcium-Antagonisten, Sartane/AT1-Antagonisten, Antidiabetika, Antiepileptika oder Neuroleptika. Daten zur Demographie, zu Grunderkrankungen, zu Leberfunktionsstörungen und zur Kontrolle der Leberwerte sowie zu Kenntnisstand und Informationsquelle im Hinblick auf die Symptomatik einer Leberschädigung wurden dabei erhoben. Ziel der Erhebung war es, Hinweise auf die Zweckmäßigkeit von unterstützenden Maßnahmen zur Patientenaufklärung und Prävention arzneimittelbedingter Leberschädigungen zu erhalten.

 

Insgesamt wurden 1749 Patienten (832 Frauen und 907 Männer) in die Erhebung eingeschlossen. Die Silymarin-CT-Anwender waren im Alter von 18 bis 93 (medianes Alter 53 Jahre) und wiesen zusätzliche Risikofaktoren für die Entwicklung von Leberschädigungen auf (18,2 Prozent adipös, bei 72,6 Prozent regelmäßiger Alkoholkonsum, 40 Prozent Raucher). Die häufigsten Grunderkrankungen waren koronare Herzkrankheit (KHK) und Hypertonie (48,9 Prozent), gefolgt von Diabetes (32,8 Prozent), sonstigen Erkrankungen (19,4 Prozent), psychischen Erkrankungen (17,3 Prozent) und Epilepsie (5,4 Prozent). Entsprechend der jeweiligen Grunderkrankung bestand die medikamentöse Behandlung meist aus potenziell leberschädigenden Wirkstoffen zur Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Betablocker 29,0 Prozent, ACE-Hemmer 22,5 Prozent, Statine 16,1 Prozent, Calcium-Antagonisten 8,1 Prozent, Sartane 5,0 Prozent) sowie von Diabetes (Antidiabetika 30,0 Prozent). Dieser Erhebungsbefund weist darauf hin, dass begleitende leberschützende Maßnahmen in Zusammenhang mit der Einnahme potenziell leberschädigender Arzneimittel erforderlich sein könnten und gleichzeitig ein spezieller Beratungsbedarf beim Apotheker für betroffene Patienten besteht.

Erhöhte Leberwerte und -schäden

 

Insgesamt gaben 34,4 Prozent der Patienten an, dass erhöhte Leberwerte vorlagen oder aktuell vorliegen. Der Anteil der Patienten mit erhöhten Leberwerten lag in Abhängigkeit von der potenziell lebertoxischen Medikation zwischen 32,0 Prozent und 48,6 Prozent und war bei Einnahme von Calcium-Antagonisten, Neuroleptika und ACE-Hemmer am höchsten (Abbildung 1). Mehr als die Hälfte der Patienten (57,3 Prozent) gab an, nicht regelmäßig auf Leberwerte kontrolliert zu werden (Abbildung 2). Unter den Patienten mit einem regelmäßigen Monitoring wurden die Leberwerte in 58,2 Prozent der Fälle einmal jährlich, bei 31,5 Prozent halbjährlich und bei 16,5 Prozent der Patienten alle drei Monate bestimmt. Leberschäden waren bei insgesamt 19,4 Prozent der befragten Patienten bekannt. Analog zu den erhöhten Leberwerten traten Leberschäden ebenfalls unter der Einnahme von Calcium-Antagonisten, Neuroleptika und ACE-Hemmern anteilig am häufigsten auf. Insgesamt gaben 38,4 Prozent der Patienten an, nicht zu wissen, wie sich eine Leberschädigung bemerkbar macht (Abbildung 2).

Patientenaufklärung und Beratung

 

Der Apotheker nimmt eine zentrale Stellung bei der Aufklärung der Patienten über die Symptomatik und Prävention von Leberschäden ein. Die meisten Patienten (42 Prozent) gaben an, von ihrem Apotheker zu wissen, wie sich eine Leberschädigung bemerkbar macht. Die Beratung durch den Arzt oder Informationen durch Medien/Literatur dagegen rangierten auf den nachfolgenden Plätzen. Die beratende Funktion des Apothekers war besonders bedeutsam, wenn es um die Prävention von Leberschäden ging. Die Empfehlung zur Einnahme von Silymarin als geeignete Medikation zur Behandlung von Leberschädigungen hatte der überwiegende Anteil der Patienten (73,6 Prozent) von ihrem Apotheker erhalten.

 

Fazit aus der Praxis

 

Die von CT Arzneimittel GmbH initiierte Studie ergab, dass jeder dritte Patient, der potenziell leberschädigende Medikamente einnimmt, von erhöhten Leberwerten und jeder fünfte bereits von Leberschädigungen betroffen ist oder war. Da nur knapp die Hälfte der Studienteilnehmer angab, ein regelmäßiges Lebermonitoring zu erhalten, ist von einer noch höheren Dunkelziffer an Patienten mit Leberwerten oberhalb der Norm auszugehen. Gleichzeitig besteht beim Patienten ein hoher Aufklärungsbedarf über leberschützende Maßnahmen. So wusste mehr als ein Drittel der Patienten nicht, wie sich eine Leberschädigung bemerkbar macht und wann eine Konsultation beim Arzt notwendig ist.

 

Wie zu erwarten war, hat der Apotheker heute bei der Aufklärung der Patienten über die Symptomatik und Prävention von Leberschäden den höchsten Stellenwert. Geeignete Maßnahmen, wie Patientenbroschüren oder Apotheker-Weiterbildungen, könnten die Patientenaufklärung verbessern und somit zur bedarfsorientieren Behandlung und vorbeugenden Maßnahmen arzneimittelbedingter Leberschädigungen beitragen. /

 

Literaturverzeichnis

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Kaplowitz N. Causality assessment versus guilt by association in drug hepatotoxicity. Hepatology 2001; 33:308-3110

Nowak G. Pharmakologische Grundlagen für die Anwendung von Silymarin. Beilage zu: Forschende Komplementärmedizin und Klassische Naturheilkunde, Bd. 8, Heft 5, Oktober 2001.

Wellington K, Jarvis B. Silymarin; a review of its clinical properties in the management of hepatic disorders. Bio Drugs 2001,15(7):465-489

 

1) med:unit GmbH, Weinsbergstr. 118a, 50823 Köln 2) CT Arzneimittel GmbH, Lengeder Str. 42a, 13407 Berlin 3) Nogatstr. 40, 12051 Berlin 4) Gernstr. 3, 82223 Eichenau

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