Pharmazeutische Zeitung online
Arzneimittelversorgung in Afrika

Mit wenig Mitteln das Beste machen

18.12.2012
Datenschutz bei der PZ

Von Kerstin A. Gräfe / Anke Meiburg ist deutsche Apothekerin und arbeitet beim Ökumenischen Pharmazeutischen Netzwerk in Nairobi, Kenia. Die PZ sprach mit ihr über ihre Arbeit und ihren Alltag.

PZ: Könnten Sie kurz beschreiben, was das Ökumenische Pharmazeutische Netzwerk ist?

 

Meiburg: Das Ecumenical Pharmaceutical Network EPN ist eine christliche Nichtregierungsorganisation von über 80 Organisationen vorwiegend in Sub-Sahara Afrika. Das Sekretariat befindet sich in Nairobi. Von dort aus wird die ganze Arbeit koordiniert. Die verschiedenen Mitglieder sind Medikamentengroßhändler der Kirche, kirchliche Dachverbände von Gesundheitseinrichtungen und kirchliche Krankenhäuser. Neben institutionellen Mitgliedern haben wir auch eine steigende Anzahl individueller Mitglieder. Dies sind oft Apotheker, die sich für die Arbeit von EPN interessieren und sie unterstützen möchten.

 

PZ: Was sind die Hauptziele des Netzwerks?

Meiburg: Das EPN hat vier Hauptarbeitsgebiete: Das erste ist der Zugang zu Arzneimitteln und deren vernünftiger und sinnvoller Gebrauch. Zweitens unterstützen wir kirchliche Gesundheitseinrichtungen bei der Behandlung von Menschen mit HIV/Aids. Drittens engagieren wir uns in der Professionalisierung pharmazeutischer Dienstleistungen und viertens bieten wir pharmazeutische Information an.

 

PZ: Sie arbeiteten zunächst in einer Hamburger Apotheke. Was hat Sie bewogen, einen neuen Weg einzuschlagen?

 

Meiburg: Ich bin im Juli 2003 das erste Mal ins Ausland gegangen. Damals habe ich in einem Krankenhaus in Kamerun gearbeitet. Ich wollte gerne etwas anderes machen, meinen Horizont erweitern und eine neue, ganz andere Kultur kennenlernen. Ursprünglich wollte ich nur für ein Jahr weg. Allerdings hat mir die Arbeit dann viel Spaß gemacht und war für mich interessanter und spannender als die öffentliche Apotheke, sodass ich mich dann entschlossen habe, längerfristig ins Ausland zu gehen. Für mich persönlich ist diese Art der Arbeit erfüllender.

 

PZ: Wie haben Sie sich auf Ihre neue Aufgabe vorbereitet?

 

Meiburg: Nach meinem Kamerun- Aufenthalt habe ich einen Master in International Health gemacht, um mehr über den Public-Health-Aspekt im Entwicklungshilfebereich zu lernen. Hilfreich war sicherlich auch mein Aufenthalt in Kamerun selbst – sowohl für den Master als auch für meine Arbeit bei EPN. Viele der Probleme im Kameruner Krankenhaus waren und sind gängige Probleme, die Krankenhausapotheker in vielen afrikanischen Ländern zu bewältigen haben. Da ich für EPN vom Evangelischen Entwicklungsdienst ausgesandt wurde, habe ich auch eine umfangreiche Vorbereitungszeit durchlaufen. Dazu zählten Kurse zu verschiedenen relevanten Themen wie Sprachkurse in Französisch und Kisuaheli, Landeskunde Kenia, Sicherheitstraining, Beratungskompetenz und HIV.

 

PZ: Was waren Ihre ersten Aufgaben bei EPN?

 

Meiburg: Ursprünglich war ich vor allem für die französischsprachigen Mitglieder zuständig. Anfangs musste ich die Mitglieder erst einmal kennenlernen und versuchen, Kontakte aufzubauen – oft über E-Mail, aber wann immer möglich durch Mitgliedsbesuche. Mein erstes großes Projekt war die Organisation des sogenannten EPN Forums – ein Mitgliedstreffen, das alle zwei Jahre stattfindet. Zusätzlich war ich in die Projekte »Standard Operating Procedures« und »HIV Treatment Literacy« involviert. Dabei handelt es sich um Trainingskurse, die zum Beispiel Kirchenleitern zur Verfügung gestellt werden sollten. Es galt, die Inhalte zu übersetzen und die Kurse zu organisieren beziehungsweise sie zu halten.

 

PZ: Was ist heutzutage Ihr Arbeitsschwerpunkt?

 

Meiburg: Die letzten zwei Jahre habe ich vor allem an unserem sogenannten EPP-Kurs gearbeitet – Essentials of Pharmacy Practice. Dieser Kurs wurde entwickelt, um den Mangel an pharmazeutisch ausgebildetem Personal in Krankenhausapotheken zumindest kurzfristig zu beheben. Langfristig sollen in diesen Einrichtungen Apotheker und PTA eingestellt werden, aber das ist noch ein weiter Weg. Ich war verantwortlich für die Kursinhalte. Ich arbeite eng mit unseren Mitgliedsorganisationen vor Ort zusammen, um solche Kurse zu organisieren, geeignete Teilnehmer zu rekrutieren, gute Ausbilder und Lehrer zu finden und um den logistischen Teil mit zu organisieren.

 

PZ: Wie sieht Ihr Alltag aus?

 

Meiburg: Einen Großteil meiner Arbeit verbringe ich am Computer im Büro, da sehr viel über E-Mail und Skype läuft. Aber häufig habe ich auch die Möglichkeit sogenannte field visits zu unternehmen. Zum Beispiel war ich im August zur Graduierungsfeier unseres EPP-Kurses in Juba im Südsudan und zur Eröffnung eines Kurses zum Thema rationelle Verwendung von Arzneimitteln in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik. Diese Reisen finde ich besonders spannend, da man direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort hat.

 

PZ: Was ist für Sie der größte Unterschied zur Arbeit in einer deutschen Offizin?

 

Meiburg: Die Arbeit ist völlig anders. Ich habe so gut wie keinen Kontakt zu Patienten, und im Großen und Ganzen dreht sich meine Arbeit vor allem um Arzneimittelmanagement – und hier eher um Beratung und Weiterbildung als darum, Rezepte zu beliefern oder Medikamente zu verkaufen. Ich bin nicht direkt in die Arzneimittelversorgung involviert, sondern meine Arbeit soll dazu beitragen, die Arzneimittelversorgung zu verbessern.

 

PZ: Was würden Sie rückblickend Kollegen empfehlen, die sich auch für diesen Weg entscheiden?

 

Meiburg: Ich habe oftmals von meinem Public Health Hintergrund profitiert. Es muss nicht unbedingt ein Aufbaustudiengang sein, aber eine Weiterbildung irgendeiner Art in diesem Bereich ist sicherlich hilfreich. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man in Situationen geraten wird, wo pharmazeutische Dinge in einer Art und Weise gehandhabt wurden, wie es in Deutschland undenkbar wäre. Zum Beispiel weil nicht genügend Geld zur Verfügung steht, es keine Stromversorgung gibt oder sauberes Trinkwasser fehlt. Man sollte flexibel sein und manchmal auch von der strikten deutschen Denkweise abweichen und versuchen, mit den vorhandenen begrenzten Möglichkeiten das Beste daraus zu machen. Man sollte offen sein für Neues und bereit sein, seine eigenen Grenzen zu erfahren. Ich jedenfalls habe meinen Schritt nicht bereut. /

Mehr von Avoxa