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Konjunktur

Die Wirtschaft wächst, die Risiken auch

21.12.2010
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Von Martina Janning, Berlin  / Im nächsten Jahr wächst die Wirtschaft in Deutschland um mehr als 2 Prozent, sagen Konjunkturforscher. Danach jedoch könnte ein Abschwung bis hin zu einer Rezession drohen, wenn es nicht gelingt, die Euro-Krise in den Griff zu bekommen.

Die deutsche Wirtschaft wächst im kommenden Jahr weiter – um 2,5 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in 2011 zunehmen, prognostiziert das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Etwas weniger, nämlich 2,3 Prozent, erwarten das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Fürs laufende Jahr haben IMK-Forscher ihre Erwartungen nach oben korrigiert und rechnen inzwischen mit einem Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent. »Dank der Konjunkturprogramme konnte Deutschland sich schnell aus der Krise herausarbeiten«, sagte Gustav Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK, vorige Woche in Berlin bei der Vorstel­lung der neuen Konjunkturprognose. Die »furiose Aufholjagd« der vergangenen Monate trage die deutsche Wirtschaft »mit Rückenwind ins neue Jahr«.

 

Hohe Exportquote nicht von Dauer

 

2011 sinkt die Zahl der Arbeitslosen im Jahresmittel unter drei Millionen, erwar­ten die IMK-Wissenschaftler. Das ent­spricht einer Arbeitslosenquote um die 7 Prozent. Da sich die deutschen Staatsfinanzen wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit und höherer Steuereinnahmen positiv entwickeln, geht das Staatsdefizit laut IMK im kommenden Jahr um 1,1 Prozent auf 2,3 Prozent des BIP zurück. Es liege damit deutlich unter der Grenze, die der europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt erlaubt, betonen die Fachleute. Der Export, der 2010 mit einem Plus von 15 Prozent einen Boom erlebte, wird sich im nächsten Jahr wegen der Erholung der Weltkonjunktur halbieren.

 

Beim privaten Konsum erwartet das IMK im Jahr 2011 ein Plus von 1,5 Prozent. Die Lohnentwicklung könne die schwachen Zuwächse des vergangenen Jahrzehnts bestenfalls langsam hinter sich lassen. Für 2011 rechnen die Experten nur mit sehr leichten Lohnzuwächsen. Sie seien »nicht kräftig genug, um einen Konsumboom zu entfachen und die Binnennachfrage so zu stärken, wie es nötig wäre«, urteilte Horn.

 

Der IMK-Wissenschaftler warnte davor, die Wirtschaftskrise vorschnell abzuhaken. Die stimulierende Wirkung der Konjunkturprogramme im In- und Ausland laufe aus. Besonders die Schwierigkeiten im Euro-Raum und der absehbare Sparkurs in vielen EU-Ländern führten höchstwahrscheinlich dazu, dass das Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft im Laufe des kommenden Jahres stetig abnimmt. »Deutschland kann sich nicht von den Entwicklungen im Euro-Raum abkoppeln«, sagte Horn. »Entweder die anderen Ländern schließen auf oder Deutschland stürzt ab.« Die deutsche Wirtschaft, betonte er, brauche den europäischen Wirtschaftsraum als stabilen Absatzmarkt.

 

Scheideweg im Sommer 2011

 

Wie es wirtschaftlich weitergeht, machen die IMK-Analysten in hohem Maße davon abhängig, was in den nächsten Monaten auf den Finanzmärkten passiert und wie die europäischen Regierungen darauf reagieren. Im Sommer stehe die Konjunktur »am Scheideweg«, sagen sie. »Für 2012 kann ein Abschwung oder gar eine Rezession nicht mehr ausgeschlossen werden.« Um die Lage im Euro-Raum zu stabilisieren, sprach Horn sich für gemeinschaftliche Euro-Anleihen aus.

 

Auch die Kieler und Haller Konjunkturforscher sehen Risiken für 2012. »Käme es zu einer weiteren Zuspitzung der europäischen Schulden- und Vertrauenskrise oder wegen der äußerst expansiven Wirtschaftspolitik in den USA zu einem Verlust des Vertrauens in den Dollar, würde dies die konjunkturellen Erwartungen erheblich dämpfen«, warnten die IWH-Forscher. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten drücke sich auch darin aus, dass die Risikoaufschläge bei Staatsanleihen einiger Euro-Länder neue Höchststände erreichten, sagen die IfW-Fachleute. »Die Konjunktur würde spürbar gedämpft werden, sollten die Zinsen auf breiter Front deutlich anziehen oder die Banken aufgrund hoher Abschreibungen ihr Kreditangebot erheblich einschränken.«  /

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